Beschreibung
Die Zecke – Feind oder Freund?
Zecken sind Spinnentiere und gehören zu den Milbenartigen. Für die Entwicklung und Fortpflanzung benötigt sie Blut von Wirbeltieren oder Menschen. Nach einer Blutmahlzeit können Zecken jahrelang überleben. Dabei ist der Stich an sich nicht das Problem. Die entnommene Blutmenge ist für gesunde Tiere normalerweise verkraftbar. Aber die Erreger, die der Zeckenstich übertragen kann, sind ein zunehmend großes Problem.
Es sind über 900 Zeckenarten bekannt, die ca 50 verschiedene Krankheiten übertragen können. Die häufigsten bei uns sind die Auwaldzecke und der gemeine Holzbock – die verschiedenen Arten aber alle haben sie eines gemeinsam: Sie ernähren sich vom Blut ihrer Wirte.
Die in Europa verbreiteten Zeckenarten können u.a. die Lyme-Borreliose und Anaplasmose übertragen.
Forscher um Seemay Chou von der University of California in San Francisco sind auf ein Gen im Erbgut der Zeckenart Ixodes Scapularis gestoßen, welches ein Mikroben abtötendes Protein produziert, welches Staphylokokken von der Haut des Wirtstieres nach der Aufnahme durch die Zecke abtötet. „Die Kommensalen der Parasiten werden bei uns zu Erregern und unsere können wiederum der Zecke zu schaffen machen“, resümiert die Wissenschaftlerin Seemay Chou.
Quelle: University of California in San Francisco, Cell Press, Fachartikel: Cell, doi: 10.1016/j.cell.2020.10.042
Häufige Irrtümer über Zecken richtig gestellt:
1. Sie haben KEIN Drehgewinde ;-). Im Gegenteil, beim Herausdrehen kann es leichter passieren, dass man die Mundwerkzeuge abdreht. Besser einfach geradeaus rückwärtsziehen. Am besten geht das mit einem kleinen Haken ohne Zange. Hier können keine Haare mit eingezwickt werden, was das Entfernen der Zecken zusätzlich erschweren würde.
2. Entgegen landläufiger Meinung sitzen sie NIE auf Bäumen, sondern meist im Gras oder Unterholz und Sträuchern und warten, bis ein potentieller Wirt sie abstreift. Im Allgemeine ist hier die maximale Höhe ca. 1,50 m.
3. Sie beißen nicht zum Blutsaugen sondern reißen mit ihren scherenartigen Mundwerkzeugen die Haut auf um dann mit ihrem Stechrüssel hineinzustechen das Blut aufzusaugen.
4. Und Achtung: Zecken sind zäh und sterben auch beim Vollwaschgang in der Waschmaschine bei 40-60 Grad nicht unbedingt. 90 Grad Waschgang oder Trockner bei 90 Grad sind relativ sicher tödlich für Zecken. Auch unter Wasser können alle Stadien von Zecken über 96 Stunden überleben, wie die Studie von Dr. Anja Reichert et. al. zeigt. Auch Minustemperaturen von minus 8 bis minus13 Grad können viele Zecken überleben. Also ist weder Einfrieren noch Herunterspülen in der Toilette noch das Waschen in der Waschmaschine sind kein sicheres Verfahren um Zecken zu töten. Mindestminustemperatur sind minus 20 Grad für 24 h.
5. Beim Zerdrücken einer Zecke sollte man ein Papier um sie legen, um den Kontakt mit austretenden Körperflüssigkeiten und evtl. Erregern zu verhindern.
6. Ich kann das Risiko eines Zeckenstichs nicht einschätzen? Doch das geht. Manche Zecken hinterlassen schon nach wenigen Minuten dicke rote Schwellungen. Diese Entzündungen können unterschiedliche Ursache, wie z.B. eine allergische Reaktion haben, aber die Ungewissheit kann wertvolle Reaktionszeit kosten. Wenn Sie den Verdacht hegen, dass eine entfernte Zecke möglicherweise Erreger auf Ihr Tier übertragen haben könnte, dann stecken sie diese LEBEND in einen dichten kleinen Behälter und bringen diesen zu Ihrer Haustierärztin. Die Zecke kann dann lebend ins Labor geschickt werden, um sie auf pathogene Erreger zu testen. Man muss also nicht erst mögliche Symptome bei Ihrem Tier abwarten.
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