Beschreibung
Einleitung / Anamnese
Der männliche, intakte Golden Retriever „Sammy“ wurde im Alter von etwa eineinhalb Jahren aufgrund einer seit zwei Tagen bestehenden Schwellung am rechten Unterkiefer vorgestellt. Der Besitzer berichtete von einem leichten Zusammenprall beim Fußballspiel – der Knöchel eines Spielers hatte den Kopf des Hundes getroffen. Schmerzäußerungen, Futterverweigerung oder Verhaltensänderungen wurden nicht beobachtet.
Klinische Untersuchung
Bei der allgemeinen klinischen Untersuchung waren Allgemeinbefinden und Vitalparameter unauffällig. In der Maulhöhle war eine prall-elastische, zystenartige Vorwölbung bucco-mesial des Zahns 406 tastbar. Die Schleimhaut darüber war glatt und intakt, ohne Ulzerationen oder Sekretabsonderungen. Der Zahn 405 war klinisch nicht eruptiert. Abgesehen von geringem Zahnstein zeigten sich keine weiteren Auffälligkeiten. Die Palpation der Schwellung war schmerzfrei und die routinemäßige Blutuntersuchung zeigte keine Abweichungen von der Norm.
Diagnostik
Zunächst wurde die Läsion in Sedation punktiert, wobei sich eine
rötlich-braune, serös-hämorrhagische Flüssigkeit entleerte –
vereinbar mit degenerativem Zysteninhalt.
Das anschließende intraorale digitale Röntgen zeigte eine
rundliche, klar begrenzte radioluzente Struktur um die Krone des
uneruptierten Zahns 405, vereinbar mit einer follikulären
(odontogenen) Zyste. Zusätzlich war ein deutlicher horizontaler
Alveolarknochenschwund an der mesialen Wurzel des Zahns 406 sowie
eine ausgeprägte Denudierung der distalen Alveolarschale des Zahns
404 erkennbar.
Eine ergänzende Untersuchung mittels Cone-Beam-Computertomografie (CBCT; Tierzahnzentrum München) bestätigte die follikuläre Zyste mit expansivem Wachstum in Richtung 406, ausgeprägtem horizontalem Knochenverlust an dessen mesialer Wurzel und Denudierung des distalen Alveolarknochens von 404. Die dreidimensionale Darstellung war maßgeblich für die präzise chirurgische Planung.
Differenzialdiagnosen
Aufgrund des radiologischen Erscheinungsbildes wurde primär eine
follikuläre Zyste um eine retinierte Zahnkrone diagnostiziert.
Differenzialdiagnostisch kamen auch andere odontogene Zysten (z. B.
paradentale Zysten), Hämatome, Abszesse oder selten neoplastische
Prozesse in Betracht, letztere jedoch mit deutlich geringerer
Wahrscheinlichkeit.
Eine histopathologische Untersuchung der entfernten Zystenwand wäre
ideal zur endgültigen Diagnosesicherung und sollte, sofern möglich,
standardmäßig erfolgen (vgl. WSAVA Global Dental Guidelines,
2020).
Therapie
Die Indikation zur Operation bestand in der vollständigen Entfernung der Zyste einschließlich der retinierten Zahnanlage 405 sowie der Extraktion des Zahns 406, da der massive mesiale Knochenverlust einen Erhalt nicht zuließ.
Die Prämedikation erfolgte mit Methadon (0,2 mg/kg i.v.) und Medetomidin (0,01 mg/kg i.v.). Zur Narkoseeinleitung wurde Propofol (2–4 mg/kg i.v.) eingesetzt; die Aufrechterhaltung erfolgte mittels Isofluran-Inhalationsnarkose nach Intubation. Während der Operation erhielt der Patient eine intravenöse
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