Beschreibung
Anamnese
Zur dermatologischen Untersuchung überwiesen wurde ein 6,5 Jahre
alter, männlich intakter Old English Bulldog mit einem
Körpergewicht von 30 kg. Der Hund war der Haustierarztpraxis durch
eine chronische allergische Hauterkrankung bekannt, die über
mehrere Jahre mit Prednisolon behandelt worden war. Die
Ektoparasitenprophylaxe mit Fluralaner erfolgte regelmäßig alle
drei Monate.
Der Überweisungsanlass war eine Hautveränderung, die sich
schleichend entwickelt hatte, zuletzt jedoch deutlich eskalierte.
Seit Oktober des Vorjahres war ein zunehmender Haarausfall
aufgefallen, seit Januar 2026 beschrieben die Besitzer eine
progrediente Verhärtung und Verkrustung der Haut. Begleitend fiel
eine ausgeprägte Polydipsie auf; zudem war der Kotabsatz verändert
mit mehr als viermal täglich.
Da die Haut sich trotz laufender Prednisolon-Therapie weiter
verschlechterte, war die Dosis zwischenzeitlich sogar erhöht worden
– in der Annahme, eine Verschlechterung der Allergie zu behandeln.
Eine Besserung blieb jedoch aus. Stattdessen entwickelten sich
zunehmend Alopezie, Hypotrichose, Krusten, Plaques und eine
auffällige Verhärtung der Haut, die für eine reine allergische
Hauterkrankung nicht mehr typisch war.
Klinische Untersuchung
Der Hund präsentierte sich mit einem vielschichtigen
dermatologischen Befund. Neben Alopezie und Hypotrichose fielen
flächige Krusten und erhabene Plaques auf, die sich bei Palpation
ausgesprochen hart anfühlten – ein Befund, der sofort an eine
kutane Mineralisierung denken ließ.
Im Kontext der bekannten Langzeitmedikation und der systemischen
Begleitsymptome – insbesondere der Polydipsie und der veränderten
Kotabsatzfrequenz – entstand das klinische Bild eines Patienten,
bei dem die Haut nicht mehr isoliert, sondern als Spiegel einer
systemischen Entgleisung betrachtet werden musste.
Hintergrundwissen – Calcinosis cutis: Unter Calcinosis cutis versteht man die pathologische Ablagerung von Kalziumsalzen in der Haut, ohne dass eine Gewebsnekrose als auslösender Faktor vorliegt (dystrophe Kalzifikation). Beim Hund tritt sie am häufigsten im Rahmen eines Hyperkortisolismus auf – sei er endogenen (Morbus Cushing) oder iatrogenen Ursprungs. Erhöhte Glukokortikoidspiegel fördern die Kalziumablagerung in der Dermis, indem sie die Kollagenstruktur schwächen und lokale Gewebsveränderungen begünstigen, die eine Mineralisation fördern. Klinisch präsentiert sich die Calcinosis cutis als feste, krustige, teils ulzerierte Plaques, bevorzugt in der Inguinal-, Axillar- und Dorsolumbalregion.
Diagnostische Abklärung inkl. Differentialdiagnosen
Die Herausforderung dieses Falles lag darin, zwei sich überlagernde
Krankheitsbilder auseinanderzuhalten: Die chronische allergische
Grunderkrankung einerseits und eine durch die Langzeittherapie
bedingte iatrogene Komplikation andererseits.
Differenzialdiagnostisch wurden folgende Ursachen der
Hautveränderungen in Betracht gezogen:
Dermatologisch:
-
Verschlechterung der allergischen Hauterkrankung (atopische Dermatitis, Futtermittelallergie)
-
Demodikose generlisiert
-
Sekundäre bakterielle Pyodermie oder Mykose als Ursache von Krusten und Plaques
-
Andere Ursachen einer kutanen Mineralisierung (z. B. Calcinosis circumscripta, tumorassoziierte Kalzifikation)
Endokrinologisch/systemisch:
-
Iatrogener Hyperkortisolismus durch exogene Glukokortikoidgabe
-
Spontaner Morbus Cushing (hypophysärer oder adrenaler Ursprung)
Entscheidend für die klinische Einordnung war die Gesamtkonstellation: langjährige Prednisolon-Gabe, Polydipsie, progrediente Alopezie sowie eine Calcinosis cutis als pathognomonischer Hautbefund. Dass die Hautveränderungen sich trotz – bzw. wegen – der Dosissteigerung des Prednisolon weiter verschlechtert hatten, war ein zentrales diagnostisches Argument gegen eine isolierte Allergieverschlechterung und für eine iatrogene Ursache.
Iatrogener Morbus Cushing mit Calcinosis cutis bei chronischer
Glukokortikoidtherapie
Hintergrundwissen – Iatrogener Morbus Cushing: Der iatrogene Hyperkortisolismus entsteht durch die exogene, langfristige Zufuh
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