Magenwandemphysem als seltene Komplikation der Pankreatitis bei einer Katze

erstellt am 7. September 2021

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Fachbeitrag
Ein Beitrag von  Romy Röschke (Cheftierärztin Bildgebung) , Dr. Stefanie Neumann (Cheftierärztin Innere Medizin)

Romy Röschke hat Tiermedizin an der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig studiert. Seit 2013 ist die Fachtierärztin für bildgebende Verfahren beim Kleintier in der Klinik in Ahlen beschäftigt. Für die Cheftierärztin der Abteilung bildgebende Diagnostik ist das „Aufspüren“ der Krankheitsursache und vor allem die enge Kommunikation mit den Kollegen, was ihr an der Radiologie besonders gefällt.,  Tierärztliche Klinik Ahlen auf VetStage
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In der Kleintiermedizin ist das Magenwandemphysem ein seltener Befund und wird fast ausschließlich als Komplikation infolge einer Torsio ventriculi beim Hund beschrieben. Im Folgenden wird das generalisierte Magenwandemphysem im Krankheitsverlauf einer hochgradigen Pankreatitis bei einer Katze skizziert.

 

Fallbeschreibung mit Fokus bildgebender Diagnostik

Eine sechs Jahre alte kastrierte EKH wird aufgrund von reduziertem Verhalten, zunehmender Futterablehnung und anhaltendem Vomitus vorstellig. Die klinische Untersuchung zeigt ein geringgradig vermindertes Allgemeinbefinden und ein hochgradig druckdolentes Abdomen. Die Blutuntersuchung zeigt lediglich eine abnormale feline Pankreaslipase, eine Hyperglobulinämie sowie eine Basophilie.

In den angefertigten Röntgenbildern des Abdomens im laterolateralem (Abb. 1) und ventrodorsalem (Abb. 2) Strahlengang zeigt sich ein geringgradiger Detailverlust im cranialen Abdomen caudal des Magens, welche in der sich anschließenden Sonographie (Abb. 3) einer hochgradig vergrößert und hypoechogenen Pankreas zugeordnet werden kann. Die Konturen sind unregelmäßig und das angrenzende Fettgewebe hochgradig hyperechogen. Der Magen zeigt zu diesem Zeitpunkt einen sonographischen Normalbefund.

 

Abbildung 1: Abdomen im laterolateralen Strahlengang, rechtsanliegend; geringgradiger Detailverlust caudal des Magens

Abbildung 2: ventrodorsaler Strahlengang; geringgradiger Detailverlust im linken cranialen Anteil des Abdomens cranial der linken Niere und caudal der Leber rechts

Abbildung 3: Sonographie craniales Abdomen; hochgradig vergrößertes, hypoechogener Duodenalschenkel des Pankreas (rot umrandetes Areal) mit angrenzenden hyperechogenem Fettgewebe (*)

 

Es folgt eine stationäre Aufnahme der Katze zur medikamentellen Therapie, vornehmlich Infusionstherapie, Pantoprazol, Antiemetische Therapie mit Maropitant und Analgesie mittels Butorphanol. Zur Gewährleistung einer adäquaten Futteraufnahme wird eine Ösophagussonde gelegt. Unter Therapie zeigt sich zunächst im Verlauf ein Rückgang der Dolenz im Abdomen mit Verbesserung des Allgemeinbefindens. Eine selbständige Futteraufnahme wird weiterhin von der Katze abgelehnt. Am zweiten Tag des stationären Aufenthaltes verschlechtert sich das Allgemeinbefinden erneut. Es erfolgt eine radiologische Reevaluation (Abb. 4,5). Es erfolgt eine radiologische Reevaluation (Abb. 4,5)

Abbildung 4: laterolaterale rechtsanliegende Abdomenaufnahme, Ösophagussonde (rotes Dreieck) insitu, endet cranial der Cardia, Magenwand mit breiten unregelmäßiger gasdichten Saum umgrenzt von zwei dünnen weichteildichten Bändern, vermindertes Detail im cranioventralen Abdomen (*)

Abbildung 5: ventrodorsale Abdomenaufnahme; gasdichter Saum entlang der Magenwand und kleine feine Gaseinschlüsse medial des Milzkopfes (*) mit angrenzendem mittelgradig vermindertem Detail.

 

Radiologische Befunde

  • hochgradiges Magenwandemphysem
  • geringgradiges Pneumoperitoneum mit mittelgradiger Peritonitis

Zur Eingrenzung der Ursache des vorliegenden hochgradigen Magenwandemphysems, des Pneumoperitoneums sowie der Peritonitis erfolgt eine Computertomographie des Abdomens (Abb. 6, 7). Aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes der Katze kann dies ohne Anästhesie in Brustbauchlage durchgeführt werden.

 

Abbildung 6: CT Weichteilfenster (WL -44/WW 251), transversale Ausrichtung, nativ, caudal des Zwerchfells auf Höhe des Magens, Anschnitt rechter caudaler Lungenlappen (*); generalisierter breiter gasdichter Saum entlang der Magenwand (blaue Dreiecke), vergrößerte Lymphonodi hepatici (grün umrandet)

Abbildung 7: CT Weichteilfenster (WL -44/WW 251), transversale Ausrichtung, nativ, auf Höhe Milzcorpus (*); kleine Gaseinschlüsse entlang des Milzhilus (grünes Dreieck), vergrößertes und unscharf begrenztes Pankreas (rot umrandetes Areal), hochgradig verwaschenes schlieriges Fettgewebe (fatstranding) (blaue Pfeile)

 

Computertomographische Befunde

  • hochgradiges Magenwandemphysem mit gering- bis mittelgradigem Pneumoperitoneum
  • hochgradige Pankreatitis sowie hochgradige Peritonitis

Weitere diagnostische und therapeutische Schritte werden von den Haltern abgelehnt, das Tier schmerzlos erlöst und der Bitte um Nekropsie stattgegeben.

 

Pathologie

In der postmortalen pathologischen Untersuchung konnte der Befund des hochgradigen, akuten Magenwandemphysems bestätigt werden (Abb. 8, 9). Die Gewebserweiterungen durch die Gasansammlungen fanden sich praktisch ausschließlich in der Submukosa, und hier im Interstitium sowie teils auch in Lymphgefäßen. Es fanden sich keine zellulären Infiltrate als Zeichen einer Entzündung infolge des Emphysems oder als Zeichen einer präexistenten Gastritis. Auch fanden sich keine Matrixreaktionen wie Fibrosen, die auf ältere Emphysembildungen hätten hinweisen könnten. Daneben wurde histologisch eine hochgradige subakute nekrotisierende Pankreatitis mit angrenzender Fettgewebsnekrose nachgewiesen.

 

Abbildung 8: Querschnitt durch den formalinfixierten Magen; spongiöse Emphysemeinlagerung in der Submukosa mit leicht unregelmäßiger Verteilung über alle Regionen des Magens verteilt, Größe der teils konfluierenden Gasblasen reicht bis etwa 3 mm, Größenmaßstab oben etwa 1 cm, unten 0,25 cm

Abbildung 9: Die histologische Untersuchung bestätigt die praktisch ausschließliche Lokalisierung der konfluierenden Emphyseme im Interstitium und Lymphgefäßen der Submukosa (SM), ohne jegliche Beteiligung der Schleimhaut (S) oder

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Romy Röschke (Cheftierärztin Bildgebung) , Dr. Stefanie Neumann (Cheftierärztin Innere Medizin)

Romy Röschke hat Tiermedizin an der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig studiert. Seit 2013 ist die Fachtierärztin für bildgebende Verfahren beim Kleintier in der Klinik in Ahlen beschäftigt. Für die Cheftierärztin der Abteilung bildgebende Diagnostik ist das „Aufspüren“ der Krankheitsursache und vor allem die enge Kommunikation mit den Kollegen, was ihr an der Radiologie besonders gefällt.

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