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Ein Beitrag von  VetMentorin Stefanie Püttner

Ich bin Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach & Traumatherapeutin mit über 15 Jahren Erfahrung in der Personal- und Organisationsentwicklung.

Ich verbinde betriebswirtschaftliches Denken mit psychologischer Tiefe und begleite Praxen, Kliniken & Menschen bei allen Themen rund um Kommunikation, Führung und mentale & psychische Gesundheit. 
Wenn‘s akut wird, biete ich rasche Unterstützung in Krisensituationen.
Mein Ziel: weniger Drama, mehr Dialog - damit Praxen gesund wachsen können.,  Stefanie Püttner Coaching & Beratung auf VetStage

Non-Compliance im Kasack: wie Stress uns austrickst

erstellt am 30. Oktober 2025

Hinweis: VetStage ist nicht für den Inhalt verantwortlich. Bitte wende dich bei Rückfragen direkt an den Verfasser.

Du hast echt einen coolen Beruf. Als ich mich in meiner Arbeit von „allen Menschen und Unternehmen“ als Klienten fokussiert habe auf „Menschen und Unternehmen in der Tiermedizin“ ist mir sofort eine Sache ganz besonders aufgefallen. Egal, welche unterschiedlichen Herausforderungen oder Probleme wir miteinander bearbeiten, es gibt eine Sache, in der ihr euch bei aller Verschiedenheit ziemlich ähnelt, und die mich immer wieder berührt und beeindruckt: ich erlebe überdurchschnittlich viele Menschen, die eine sehr genau Idee von ihrem WHY für den Beruf haben, und ihn mit großer Leidenschaft und Freude leben. Und das tun sie zumindest so lange, bis es die verschiedensten Belastungen schaffen, Steinchen für Steinchen aus dem Mosaik an guten Gefühlen, die tragen, herauszuklopfen.

Gute Medizin und Erfolgsstorys bei den Behandlungen sind eine Wohltat, und geben viel Energie zurück, die der hektische Praxis- oder Klinikalltag mit seinem vollen Terminkalender, den Notfällen und allerlei (zwischen-) menschlichen Herausforderungen zieht.

Dass es ganz klug ist, den Belastungen mit einer gewissen Selbstfürsorge zu begegnen, ist ja irgendwie common sense. Mental Health wird in der Tiermedizin immer konkreter, bekommt immer mehr Bedeutung, gerade auch bei der jüngeren Generation, die nachrückt. Als Psychologin feiere ich das. Aus meiner Sicht als Unternehmensberaterin eröffnet es ein spannendes Feld mit vielen - Spannungsfeldern. 

Eines davon ist besonders für mich, nämlich der vielbesagte „richtige Moment“.

Viele Menschen fühlen sich durch den Beruf mit seinem hohen Tempo zu verschiedenen Zeitpunkten mehr oder weniger stark mental und psychisch belastet und körperlich angestrengt. Alle wissen, was es braucht: nämlich angemessene Selbstfürsorge.

Und die meisten sagen: „Da kümmere ich mich d’rum, wenn‘s ruhiger ist und ich Zeit dafür hab‘.“ 

Nur - Spoiler: ruhiger wird es nicht. Eher im Gegenteil, könnte man meinen: die Abläufe werden komplexer, das Personal offenbar knapper, die Anforderungen höher, und die Kunden gefühlt aggressiver. Das System zieht viel Energie und gibt in der Regel weniger zurück. So rutschst du in einen Zustand, in dem Selbstfürsorge zu einem abstrakten Konzept wird, aber definitiv nicht zur Praxis. Und du weißt, dass das auf Dauer vermutlich nicht ganz so gut gehen wird.

Psychologisch lässt sich das ganz gut erklären:

Unter Stress verschiebt unser Gehirn seine Prioritäten. Kurzfristige Entlastung wird wichtiger als langfristige Stabilität - ein Phänomen, das in der Forschung „temporäre Zukunftsverschiebung“ genannt wird (1). Neuropsychologisch kann man unter Stress die Veränderung der Aktivität präfrontaler Kontrollzentren nachweisen: Denken wird kurzfristiger, Zukunftsplanung eingeschränkter und Copingstrategien richten sich auf schnelle Bedürfnisbefriedigung aus (2).

In Sachen Selbstfürsorge dient also das Narrativ des „richtigen Moments für Selbstfürsorge“ dazu, scheinbare Kontrolle über den Stress im Hier und Jetzt zu erlangen. Die Krux dabei ist der Circulus vitiosus: Je höher die Stressbelastung, desto stärker liegt der Fokus auf der kurzfristigen Entlastung, und desto geringer fällt die Umsetzung langfristig gesunder Routinen aus - auch wenn es langfristig bekanntermaßen negative Folgen hat. Willkommen beim dauernden Brände Löschen.

Die gute Nachricht ist: Daraus folgt, dass das „ich mach das später“ keine persönliche Schwäche ist, und eben auch kein reines „Mindset-Thema“, auch wenn die gerade so unglaublich angesagt sind. Es ist vielmehr eine automatische Stressreaktion, die dir kurzfristig das Gefühl von Kontrolle gibt, sie dir aber langfristig gesehen entzieht. Denn das, was du aufschiebst, bleibt innerlich aktiv: als Druck, als Gedanke, als Dauerspannung.

Das Perfide daran: je länger du wartest, umso schwieriger wird es, überhaupt anzufangen. Die Erschöpfung wächst, und mit ihr das Gefühl, dass die Zeit immer weniger wird, und du allem immer mehr hinterherrennst. Ein Kreislauf, der dich zu allem Übel auch immer weiter entfernt von dem, was so wertvoll ist, weil es dir Kraft spendet: die Freude an deinem Beruf.

3 Ebenen, auf denen Selbstfürsorge wirkt

Selbstfürsorge beginnt dort, wo du aufhörst, auf ruhigere Zeiten zu warten. Das betrifft nicht nur dein Verhalten, sondern dein ganzes System: körperlich, seelisch und mental.

Körperlich

Dauerstress aktiviert den Sympathikus: Adrenalin, Cortisol, ständige Anspannung. Dein Körper läuft im No

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VetMentorin Stefanie Püttner

Ich bin Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach & Traumatherapeutin mit über 15 Jahren Erfahrung in der Personal- und Organisationsentwicklung.

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Mein Ziel: weniger Drama, mehr Dialog - damit Praxen gesund wachsen können.

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