Akute urethrale Obstruktion und multiple kongenitale Fehlbildungen bei einem 7 Wochen alten Welpen
erstellt am 2. Februar 2026
Signalement und Vorbericht
Der 7 Wochen alte Rhodesian-Ridgeback-Rüde Ayax (Körpergewicht ca. 3 kg) aus einer Privatzucht wurde in unserer Praxis vorgestellt. Bereits zuvor war der Patient aufgrund von Apathie, Erbrechen und deutlich reduziertem Harnabsatz in einer externen Notfallklinik vorstellig gewesen, wo eine antibiotische Therapie eingeleitet worden war. Da sich der Allgemeinzustand nicht besserte, erfolgte die weiterführende Abklärung. Laut Angaben der Besitzer war Ayax im Wurf bereits zuvor durch geringere Körpergröße und schwäche im Vergleich zu seinen Geschwistern aufgefallen. Zudem hatte er ventral eine große abdominale Umbilikalhernie. Voroperationen waren nicht bekannt.
Klinische Untersuchung
Bei der Erstuntersuchung zeigte sich Ayax in einem akut lebensbedrohlichen Allgemeinzustand. Die Harnblase war prall gefüllt und palpatorisch stark gespannt. Aufgrund der Kombination aus klinischer Symptomatik und palpatorischem Befund bestand der dringende Verdacht auf eine Harnabflussstörung.
Diagnostik
Die sonographische Untersuchung ergab eine massiv gefüllte Harnblase mit echogenen, beweglichen Strukturen im Bereich der Urethra, vereinbar mit urethralen Urolithen. Zusätzlich zeigten sich sonographische Zeichen einer Harnstauung mit Pyelektasie. Im Bereich des Nabels und des kranialen Abdomens, wurden ventrale abdominale Defekte festgestellt. Die Befunde führten zur Diagnose einer nahezu vollständigen urethralen Obstruktion durch Urolithen mit sekundärer Harnstauung bei gleichzeitigem Vorliegen kongenitaler ventraler abdominalen Fehlbildungen.
Therapieentscheidung und präoperative Maßnahmen
Angesichts der hochgradigen Harnröhrenobstruktion, der sonographisch nachgewiesenen Harnstauung sowie des kritisch reduzierten Allgemeinzustands wurde eine sofortige operative Versorgung empfohlen. Ziel war die rasche Entlastung der Harnwege, die Entfernung der Urolithen sowie die gleichzeitige chirurgische Korrektur der vorliegenden kongenitalen Defekte. Die Besitzer wurden ausführlich über die Dringlichkeit, die Risiken der Narkose sowie mögliche Komplikationen aufgeklärt und erteilten ihr schriftliches Einverständnis. Eine präoperative Stabilisierung erfolgte entsprechend dem Protokoll für kritisch kranke neonatale Patienten, einschließlich Flüssigkeitstherapie, Wärmeerhalt und engmaschigem Monitoring.
Operativer Verlauf
Nach Narkoseeinleitung wurde zunächst eine retrograde Urethralkatheterisierung mit dem Ziel der Retropropulsion der Urolithen durchgeführt. Diese erwies sich aufgrund des geringen Patientenumfangs und der festen Obstruktion als technisch anspruchsvoll, konnte jedoch nach längerer, sorgfältiger Manipulation erfolgreich abgeschlossen werden. Die Urolithen wurden in die Harnblase zurückgespült und im Anschluss über eine Zystotomie vollständig entfernt. Die ableitenden Harnwege wurden zudem gründlich gespült, sodaß auch jeglicher Grieß entfernt wurde.
Im Rahmen der medianen kompletten Laparotomie zeigten sich zusätzlich mehrere ausgeprägte kongenitale Befunde: eine sehr große peritoneal-perikardiale Hernie, eine deutliche Umbilikalhernie sowie ein persistierender Urachus. In derselben Operation erfolgte die Herniorrhaphie der peritoneal-perikardialen Hernie, der Verschluss der Umbilikalhernie sowie die Resektion des persistierenden Urachus mit sorgfältigem Verschluss der Blasenbasis.
Die dokumentierte Gesamtdauer der Narkose betrug etwa 4,5 Stunden.
Intraoperativer Narkosezwischenfall
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Autor:innen
Sara PilloniEin interessanter Beitrag. Teile ihn jetzt mit deinem Netzwerk.
