Fachbeitrag
Ein Beitrag von  VetMentorin Stefanie Püttner

Ich bin Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach & Traumatherapeutin mit über 15 Jahren Erfahrung in der Personal- und Organisationsentwicklung.

Ich verbinde betriebswirtschaftliches Denken mit psychologischer Tiefe und begleite Praxen, Kliniken & Menschen bei allen Themen rund um Kommunikation, Führung und mentale & psychische Gesundheit. 
Wenn‘s akut wird, biete ich rasche Unterstützung in Krisensituationen.
Mein Ziel: weniger Drama, mehr Dialog - damit Praxen gesund wachsen können.,  Stefanie Püttner Coaching & Beratung auf VetStage

„Intuitive Propädeutik“: ein Denkrahmen für nicht-medizinische Rule-Outs für den Praxisalltag

erstellt am 5. Februar 2026

Hinweis: VetStage ist nicht für den Inhalt verantwortlich. Bitte wende dich bei Rückfragen direkt an den Verfasser.

Vorweg in eigener Sache: ich verzichte heute zum ersten Mal darauf, zu gendern. Das lässt sich leichter lesen - und leichter schreiben. Es dürfen sich wirklich alle von Herzen gemeint und angesprochen fühlen. 

Und natürlich weiß ich: Die Tiermedizin ist ganz schön weiblich!


Viele Rollen - viele Wahrheiten

In meiner Arbeit und meinem Austausch mit Praxisinhabern, angestellten Tierärzten, TFAs und Praxismanagern bekomme ich viele Einblicke in das, was ihr alle in eurem Berufsalltag so erlebt. Naturgemäß sind dies sehr unterschiedliche Perspektiven, die ich auf dieselben Themen eröffnet bekomme. Das Erleben von Studierenden in Lehre, Praktika und Famulatur erlebe ich seit Jahren sehr nah, sehr persönlich und entsprechend ungeschminkt. Austausch mit Praxisinhabern im engsten Freundeskreis ermöglicht noch einmal eine andere Sicht auf den Praxisalltag. Als Tierhalterin habe ich in Hunde- und Pferdekreisen Kontakte zu anderen Tierhaltern.

Aus diesen verschiedenen Rollen ergeben sich nicht nur verschiedene Perspektiven, sondern zwangsläufig auch viele Widersprüchlichkeiten, denen ich immer wieder begegne.

Wachsende Spannungsfelder

Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Fortschritte in der Tiermedizin so rasant voranschreiten, in der in Diagnostik und Therapie Dinge möglich sind, an die wir vor wenigen Jahren noch gar nicht gedacht haben, scheint die Unzufriedenheit auf der „anderen Seite“ zuzunehmen. Patientenbesitzer treten mit zunehmend höheren Erwartungen, größerer Ungeduld und deutlicheren Forderungen auf. Mehr ist möglich, also soll auch mehr geleistet werden, aber bitte nicht für mehr Geld.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der Arbeitgebende mehr in ihre Mitarbeitenden und deren Zufriedenheit investieren als vielleicht jemals zuvor, in Fortbildungen auch zu nicht-medizinischen Themen, Teamentwicklungen und bessere Arbeitsbedingungen, scheint die Unzufriedenheit im Job immer lauter zu werden. Egal, wieviel gegeben wird, scheint immer irgendwo ein Mangel zu bleiben.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der viele Unternehmen Leitbilder und Werte entwickeln und sich auf die Fahne schreiben, ist die Bereitschaft zum Jobwechsel aufgrund mangelnder Wertschätzung und einem vielerorts harschen Ton, zahlreicher Überstunden und etwa Angst, Fehler zu machen, hoch.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der Praxen, die über Jahrzehnte mit enormem Einsatz aufgebaut wurden, altersbedingt abgegeben werden sollen, scheint es keine ausreichend große junge Generation zu geben, die bereit ist, diese Verantwortung und diesen „Lifestyle“ zu übernehmen und die Praxen in die Zukunft zu führen.

Und ausgerechnet in einer Zeit, in der wir mehr denn je um die Bedeuetung psychischer und mentaler Gesundheit wissen, täglich von Selbstfürsorge hören und lesen, scheinen die Belastungen aus diesem anspruchsvollen Beruf immer deutlichere Spuren zu hinterlassen.

Hinzu kommt eine Lehre, die zunehmend von den Möglichkeiten der Online-Ausbildung und einer starken Fokussierung auf die Theorie auch in Prüfungen geprägt ist. Gleichzeitig ist die Unzufriedenheit über fehlende praktische Kompetenzen bei den jungen Berufseinsteigern groß - vermutlich ähnlich groß wie die Unsicherheit in der Praxis bei den jungen Tierärzten selbst.

Notwendigkeit: Integration. Realität: Trennung.

Währenddessen hören die zwischenmenschlichen Herausforderungen nicht auf, im Gegenteil: trotz aller Bemühungen scheinen sie eher zuzunehmen.

Fronten verhärten sich, Gräben werden tiefer, und das Problem sind in der Regel die jeweils anderen. Wir hier - die dort. Dieses Denken ist verständlich, leider jedoch nicht hilfreich.

Denn vieles von dem, was sich im Praxisalltag anstrengend, zermürbend oder unfair anfühlt, ist kein isoliertes Phänomen, und schon gar nicht das Problem nur bestimmter Beteiligter. Es ist eine Vielzahl an Themen, Dynamiken und Belastungen, die zusammenwirken, und damit erzeugen mehrere Faktoren, die sich wechselseitig bedingen, gleichzeitig Druck. Wer hier vorschnell reagiert oder an der nächstbesten Stelle ansetzt und meint, damit müsse sich aber wirklich etwas verbessern, behandelt Symptome, ohne das Gesamtbild zu erfassen.

In der Medizin wäre dieses Vorgehen undenkbar. Bei komplexen Beschwerdebildern halten wir inne, gehen anamnestisch vor, differenzieren, prüfen Hypothesen und versuchen, Zusammenhänge zu verstehen, bevor wir handeln. In jeden dieser Schritte fließen alle Erfahrungen ein, die wir im Laufe unseres Berufslebens gemacht haben. Die Intuition schließlich - unser „Bauchgefühl“ auf bewusster Basis all dies

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VetMentorin Stefanie Püttner

Ich bin Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach & Traumatherapeutin mit über 15 Jahren Erfahrung in der Personal- und Organisationsentwicklung.

Ich verbinde betriebswirtschaftliches Denken mit psychologischer Tiefe und begleite Praxen, Kliniken & Menschen bei allen Themen rund um Kommunikation, Führung und mentale & psychische Gesundheit. 
Wenn‘s akut wird, biete ich rasche Unterstützung in Krisensituationen.
Mein Ziel: weniger Drama, mehr Dialog - damit Praxen gesund wachsen können.

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