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Mobbing am Arbeitsplatz – wie es dazu kommt…

An jedem Arbeitsplatz kommt es hin und wieder zu Konflikt- und Stresssituationen. Dies ist ganz normal und gerade in tierärztlichen Praxen/Kliniken bedingt durch den hohen Leistungsdruck und die langen Arbeitszeiten nicht ganz zu vermeiden. Wenn die Probleme jedoch eskalieren, können unerwünschte Verhaltensweisen gegenüber Mitarbeitern auftreten, die unter Umständen sogar zu Mobbing führen.

Der Begriff „Mobbing“ tauchte erstmals in den 90er Jahren auf und nimmt bedingt durch den steigenden Druck am Arbeitsplatz in den letzten Jahren immer mehr zu. Wie aktuell das das Thema Mobbing auch in der Tierärzteschaft ist, zeigt u.a., dass auf der Homepage der Bundestierärztekammer eine Linksammlung mit Hilfsangeboten für davon betroffene Tierärzte zu finden ist.

 

Definition und Arten von Mobbing

Es gibt verschiedene Definitionen von Mobbing, die eine Abgrenzung zu herkömmlichen Konflikten ermöglichen. Im Allgemeinen versteht man unter Mobbing eine systematische, über einen längeren Zeitraum andauernde oder häufige und wiederholte Belästigung, Benachteiligung und Ausgrenzung einer unterlegenen Person. Am Arbeitsplatz kann diese konfliktbelastete Situation unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern entstehen. Ziel oder Folge des Mobbings ist meist das Ausscheiden des Opfers aus dem Arbeitsverhältnis, sei es durch Kündigung oder Erwerbsunfähigkeit.

Mobbinghandlungen sind vielfältig. Zu den typischen zählen u.a. :

  • Schädigung des sozialen Ansehens durch Verbreiten von Gerüchten und Unwahrheiten
  • Sticheleien, Beleidigungen, Drohungen, Anschreien
  • Opfer wird lächerlich gemacht und als unfähig dargestellt
  • Falsche Bewertung der Arbeitsleistung
  • Massive und ungerechte Kritik an der Arbeit
  • Arbeitsbehinderung
  • Verweigerung wichtiger Informationen
  • Isolierung und Ausgrenzung vom Team
  • Angriffe auf die Gesundheit, z.B. sexuelle Belästigung und Androhung körperlicher und seelischer Gewalt

 

Entstehung von Mobbing

Mobbing entsteht nur in Gruppen, in denen mindestens zwei Menschen über einen längeren Zeitraum miteinander eine „Zwangs“-Gemeinschaft bilden, also z.B. miteinander arbeiten. Wenn normale und ganz alltägliche Konflikte nicht beachtet und gelöst werden, kann sich daraus fast unbemerkt eine Gewohnheit entwickeln und eine Person zur Zielscheibe der Konflikte werden. Grundsätzlich kann jeder zum Mobbingopfer werden, da dies immer situationsabhängig ist und nicht von der eigenen Persönlichkeit beeinflusst wird.

Es gibt zahlreiche Bedingungen, die die Entstehung von Mobbing begünstigen:

  1. Besondere berufliche Belastungen

Allgemein haben Menschen in sozialen Berufen – also auch Tierärzte und TFAs – ein höheres Risiko, gemobbt zu werden als andere Berufsgruppen. Dies liegt daran, dass sie besonderen Belastungen ausgesetzt sind und häufig mit Krankheit und Tod konfrontiert werden. Diese belastenden Situationen können zu Überforderung und Ängsten führen, was sich u.a. in Hilflosigkeit, Wut oder Verzweiflung äußern kann. Andere Mitarbeiter verstehen dieses Verhalten oft nicht und grenzen den Betroffenen aus.

  1. Aufnahme eines neuen Kollegen in ein bereits bestehendes Team

Sind die Abläufe noch unbekannt und wird der neue Mitarbeiter nicht nach klaren Vorgaben angeleitet bzw. besteht nicht genügend Zeit dafür, bedeutet dies für die erfahrenen Kollegen eine zusätzliche Belastung. Dies führt zu Spannungen. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin („Mobbing-Report“) sind Auszubildende und junge Erwerbstätige am stärksten von Mobbing betroffen.

  1. Konkurrenz im Team

Höherer Leistungsdruck z.B. durch neue Arbeitsabläufe und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, führen zu einem wettbewerbsorientierten Verhalten unter den Mitarbeitern. Dadurch kann es u.a. dazu kommen, dass Informationen vor einem Mitarbeiter zurückgehalten werden, um diesen zu schädigen.

  1. Ungleiche Behandlung von Mitarbeitern

Auch durch diesen Führungsfehler wird im Team Konkurrenz erzeugt und einige Mitarbeiter fühlen sich benachteiligt. Anstatt sich jedoch offen gegen die ungerechte Behandlung zu wehren, kommt es oft zu einer indirekten Diskriminierung der bevorzugen Person.

 

Mobbing entsteht, wenn die zugrundeliegenden Konflikte von den Beteiligten nicht mehr rational gelöst werden können. Mitwissende Kollegen versuchen oft gar nicht, dagegen vorzugehen, da sie selbst nicht zum Opfer werden wollen.

Da ungleiche Machtstrukturen und keine Beweise vorliegen, wehrt sich die betroffene Person i.d.R. nicht gegen die Angriffe und zieht sich immer weiter zurück. Die Situation wird weiter erschwert dadurch, dass Mobbing-Opfer nach einer gewissen Zeit oft selbst beginnen, die ständigen Unwahrheiten und negativen Behauptungen (z.B. dass sie unfähig sind) zu glauben bzw. zu bestätigen, indem sie unsicher werden und tatsächlich Fehler machen. Dadurch fühlen sich wiederum der Mobber und die Mitwisser bestätigt, dass der Ausgegrenzte an der Situation selbst schuld ist. Ein Teufelskreis, der oft dazu führt, dass der gemobbte Mitarbeiter durch die Belastung am Arbeitsplatz erkrankt, entlassen wird oder selbst kündigt.

 

In unserem nächsten Blogbeitrag beschäftigen wir uns mit den gravierenden Folgen von Mobbing und dem Vorgehen dagegen. 

Über die Autorin:
Tonia Olson hat 2005 ihr Veterinärmedizin-Studium in München abgeschlossen. Bei ihrem anschließenden mehrjährigen Aufenthalt in Skandinavien war sie u.a. in einer städtischen Gemischtpraxis tätig. Nach der Elternzeit arbeitet sie nun in einer Kleintierpraxis in der Nähe von München. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder, eine Katze und einen Hund.

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