Überdurchschnittliche Suizidrate unter Tierärzt:innen: Traum- oder Albtraumberuf?

erstellt am 14. Oktober 2021

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Fachbeitrag
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Traum- oder Albtraumberuf Tierarzt?

Tiermedizin gilt für viele immer noch als Traumberuf. Hundewelpen streicheln, bei der Geburt eines Fohlens helfen oder einen Vogel mit gebrochenem Flügel versorgen. Eine Vorstellung, die viele Kinder, aber auch Erwachsene von diesem Beruf haben. Doch nach dem Examen platzt häufig der Traum: Die Belastung ist meist hoch, das Gehalt niedrig. 

Die Realität: Es ist der Beruf mit dem höchsten Suizidrisiko. Doch weshalb ist die Suizidrate so hoch, wenn er doch ein vermeintlicher Traumberuf ist? 

Ursachenforschung

Die taz hat einen Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht und die Hintergründe der hohen Suizidrate unter Tierärzt:innen mit der Diplompsychologin und Psychotherapeutin Heide Glaesmer diskutiert. 

Obwohl das Thema des erhöhten Suizidrisikos von Tierärztinnen und Tierärzten in Deutschland in den letzten Jahren zunehmend an Interesse gewonnen hat, wird in Deutschland, anders als in anderen Ländern, der Beruf der Verstorbenen bei Suizidfällen nicht in der Suizidstatistik erfasst. 

Glaesmer und ihre Kolleginnen haben 2020 eine Befragung unter 3.118 Ve­te­ri­när­me­di­zi­ne­r:in­nen im Alter von 22 bis 65 Jahren durchgeführt. Das Ergebnis: Knapp 28 % der Befragten hatten Symptome eine Depression und etwa 19 % Suizidgedanken. Insgesamt wiesen 32 % der Studienteilnehmer ein erhöhtes Suizid­risiko auf. 

Damit haben Tiermediziner:innen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein dreimal so hohes Risiko, an Depressionen zu erkranken und ein sechsmal so hohes Risiko, einen Suizid zu begehen. Dieses Ergebnis zeigt, dass Suizidalität unter deutschen Tierärzten eine erhebliche Bedeutung hat.

Zahlreiche Risikofaktoren 

Die spezifischen Gründe, die zu diesem Phänomen beitragen, sind wenig bekannt. Psychische Erkrankungen, das männliche Geschlecht, soziale Isolation oder persönliche Krisen gelten allgemein als Risikofaktoren für Suizid. 

Auch in anderen Studien werden Risikofaktoren diskutiert, die speziell für Gesundheitsberufe gelten. Darunter kann das Suizidrisiko bei Tierärzt:innen durch folgende Faktoren beeinflusst werden: Beruflicher Stress, lange Arbeitszeiten, ein leichter Zugang zu und Wissen über tödlichen Medikamente, besondere Persönlichkeitsmerkmale dieser Berufsgruppe und eine psychische Morbidität, die durch psychosoziale Faktoren während der Ausbildung und Arbeit verursacht wird - um nur einige der zahlreichen Hypothesen zu nennen. (Bartram & Baldwin 2010)

Arbeitsbelastung und Belohnung im Ungleichgewicht

Glaesmer berichtet im Interview mit der taz, dass viele Befragte angaben, oft müde und emotional erschöpft zu sein, kaum Zeit für ein Privatleben zu haben und sich wenig wertgeschätzt zu fühlen. Arbeitsbelastung und Belohnung lägen in einem Ungleichgewicht, so Glaesmer. 

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