MTV – Minimalinvasive Transiliale Verblockung

erstellt am 14. Januar 2022

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Fachbeitrag
Ein Beitrag von  Dr. Friedrich Müller,
Dr. Henning Schenk, PhD Neuroscience, Diplmate ECVN
,  Tierklinik Lüneburg auf VetStage
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Die MTV

ist eine minimalinvasive, nicht destruktive Operationsmethode zur Therapie lumbosakraler Erkrankungen. Hierzu zählen in erster Linie Foraminalstenosen L7/S1, pathologische Beweglichkeit des lumbosakralen Gelenks und Bandscheibenvorfälle L7/S1. Klassische Operationstechniken realisieren die Dekompression der Cauda equina-Nerven durch Laminektomie oder Foraminotomie, also gezielte Destruktion von Wirbelknochen. Pathologische Beweglichkeit/ventrale Subluxation des Sakrums wird mittels Schrauben alleine (Facettengelenke) oder in Kombination mit Knochenzement oder speziellen Stabkonstruktionen stabilisiert. Durch das MTV-Implantat wird die Biomechanik des lumbosakralen Gelenks derartig verändert, dass mittels eines Arbeitsschrittes sowohl eine Dekompression des Nervengewebes und eine Stabilisierung zwischen L7/S1 erzielt wird. Die Kombination dieser Wirkungsweise mit der Methode der Einbringung unter Durchleuchtung (C-Bogen) machen diese Operationstechnik zu einer wesentlich weniger zeitaufwendigen und atraumatischen Alternative zu den herkömmlichen Verfahren. 

Degenerative lumbosakrale Stenose

Der Lumbosakrale Übergang ist vor allem bei mittleren bis größeren Hunderassen ab dem mittleren Alter anfällig für eine Vielzahl von Erkrankungen. Die meisten sind degenerativer Ätiologie (Bandscheibendegeneration mit Protrusion, Verdickung des Ligamentum flavum, Foraminalstenosen, Bildung von kompressiven Spondylosen). Es kommen aber auch neben traumatischen und tumorösen Ursachen Entzündungen der Bandscheibe und der Wirbelendplatten vor. Durch die Vielzahl der möglichen degenerativen Ursachen, die auch in Kombination miteinander auftreten können, ergeben sich ebenfalls eine Vielzahl an Ausprägungsmustern für Beschwerden am lumbosakralen Übergang. Zusammengefasst werden diese Ursachen unter dem Begriff der degenerativen lumbosakralen Stenose – DLSS. Die Symptome der betroffenen Patienten sind oftmals unspezifisch. Die Vermutung, dass der Hund intermittierende Schmerzenszustände habe, oder eine phasenweise auftretende HinterhandLahmheit sind sicherlich die häufigsten Gründe diese Patienten beim Tierarzt vorzustellen. Lediglich durch eine Kombination einer exakten klinischen Untersuchung mit einer Schnittbildgebung (CT oder besser MRT) kann eine DLSS nachgewiesen werden. Bildgebung allein, ohne das Fundament der klinischen Untersuchung, kann zu Fehldiagnosen führen, denn Jones u. Inzana 2000, sowie Mayhew et al. 2002 konnten in beeindruckenden Studien zeigen, dass auch klinische normale Hunde CT- oder MRT-Veränderungen einer DLSS aufweisen können. Bei definitiver Diagnosestellung sind bisher folgende chirurgische, primär dekompressive Therapieoptionen beschrieben: Laminektomie L7/ S1, oder nur S1, ggf. jeweils in Verbindung mit einer Annulektomie /Nukleotomie; Foraminotomie von lateral oder dorsal; Facetektomie.

Im Falle von pathologischer Beweglichkeit (egal ob traumatischen oder degenerativen Ursprungs) zwischen L7 und S1 werden eine Fixation und Fusion der Wirbelkörper mittels folgender Techniken beschrieben: Transartikuläre Schrauben an den Facettengelenken L7/ S1, Schrauben in dem Pedikel von L7 und Sacrum, die mittels Knochen-Zement oder einer speziellen Stab-Gelenk-Konstruktion verbunden werden. Eine weitere Technik zur Fixation des lumbosakralen Gelenks besteht in der Verbindung des Prozessus spinosus L7 mit dem Sakrum und Ilium durch gewinkelte Nägel (1986 von Slocum und Devine beschrieben).

Alle gennannten Verfahren gehen im Hinblick auf den chirurgischen Zugang mit einem beträchtlichen Weichteiltrauma einher (langer Hautschnitt und zur Seite präparieren der gesamten dorsalen axialen Muskulatur notwendig). Besonders die Stabilisationstechniken sind sehr zeitintensive Operationen, die auch ein hohes Maß von chirurgischem Können und Erfahrung voraussetzen.

Das Prinzip der MTV

Die MTV wurde 2006 zunächst noch basierend auf einen Steinmann-Nagel entwickelt. Grundgedanke war es, die Beweglichkeit des lumbosakralen Gelenks, die man auch als einen Teil der Pathogenese der DLSS sehen kann, zur Behandlung zu nutzen. Die pathologischen Befunde eines Bandscheibenvorfalls L7/ S1 oder eine Foramenstenose sind im MRT deutlich erkennbar, wenn der lumbosakrale Übergang in Streckung untersucht wird. Wiederholt man aber die Untersuchung in gebeugten lumbosakralen Übergang (Hinterbeine nach vorne gestreckt) so vermindert sich der Grad des Bandscheibenvorfalls, weil der Abstand zwischen den Endplatten sich weitet und dem Bandscheibenmaterial nach ventral Platz bietet und die Neuroforamina sich öffnen / mehr Fettsignal zeigen. Die Cauda equinaNerven haben in dieser Position wieder mehr Platz – also erfahren deutlich weniger Kompression.

Also wurde der Steinmann-Nagel bei gebeugtem lumbosakralen Gelenk so durch beide Ala ossis ilii gebohrt, dass er kaudal des Prozessus spinosus L7 und dorsal des Arcus dorsalis L7 positioniert ist. Auf diese Art und Weise fungiert dieses Implantat als eine Führungsschiene. Subluxationen des Sakrums werden aufgehoben und die Überstreckung des lumbosakralen Gelenks ist selbst bei maximaler Streckung der Hinterbeine nicht mehr

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Dr. Friedrich Müller,
Dr. Henning Schenk, PhD Neuroscience, Diplmate ECVN

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