ACP Therapie bei akuter Myositis

erstellt am 16. April 2022

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Fallbeispiel
Ein Beitrag von  Dr. Gereon Viefhues
Anicura Ahlen GmbH
Tierärztliche Klinik für Kleintiere Ahlen
Bunsenstraße 20
59229 Ahlen

Dr. Gereon Viefhues ist Klinikleiter der Anicura Ahlen GmbH seit 1995. Er studierte bis 1985 in Hannover und promovierte dort 1987. In der anschließenden Weiterbildungszeit zum Fachtierarzt begann er orthopädisch zu arbeiten. Es folgten orthopädische Zusatzausbildungen an diversen internationalen Universitäten. Neben seinem orthopädischen und neurochirurgischen Schwerpunkt beschäftigt er sich intensiv mit der onkologischen Chirurgie und der Weichteilchirurgie. Seit Anfang der neunziger Jahre ist er auf dem Gebiet der Ophthalmologie (Augenheilkunde) tätig.

 Hr. Dr. Viefhues ist Prüfer für Fachtierarztprüfungen der Tierärztekammer. Zudem ist er Autor wissenschaftlicher Fachartikel.,  Tierärztliche Klinik Ahlen auf VetStage
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In diesem Fallbericht stellen wir die Patientin namens Quinn vor, eine gut 1 Jahr alte Irish Setter Familienhündin, welche ebenfalls aktiv als Jagdbegleithund im Einsatz ist.

Vorbericht und Überweisung HTA

Quinn zeigte plötzlich eine deutliche Lahmheit, die laut Besitzer:innen hinten links zu sehen war. Eine zunächst haustierärztlich initiierte Behandlung der Lahmheit (Grad IV) mit Kortikosteroiden und NSAIDs zeigt keine Verbesserung. Bei der Röntgendiagnostik fiel ein deutlicher Erguss im Kniegelenk auf, weshalb der Verdacht eines Kreuzbandrisses mit Meniskusbeteiligung ausgesprochen wurde.

 

Anamnese des Bewegungsapparates

Bei der orthopädischen Untersuchung in unserer Klinik geben die Besitzer:innen an, die Lahmheit sei vor ungefähr drei Wochen spontan hinten links aufgetreten und Quinn sei zunehmend mit vollständiger Entlastung der betroffenen Hintergliedmaße auf drei Beinen gelaufen. Seither verschlechtert sich die Bewegungsbereitschaft von Quinn progressiv.

Die Hündin hat keine Vorerkrankungen, steht unter keiner langfristigen Medikation und in der Allgemeinuntersuchung zeigt sie keine Auffälligkeiten.

 

Klinisch orthopädische Untersuchung

Quinn zeigt im Gangbild eine hochgradige Lahmheit vom Grad 6/6 und tippt die betroffene Hintergliedmaße im Stand nur leicht an. Das Allgemeinbefinden ist den Symptomen entsprechend regelrecht.

Bei der Palpation sind alle 4 Pfoten unauffällig. Der Ellenbogen zeigt vorne links eine positive Coronoidprobe mit druckdolenten Flexoren, welche am ehesten auf eine familienbedingte Rasseprädisposition zur ED hinweist.

Bei der palpatorischen Untersuchung und auch bei der Auswertung der Vorbefunde anhand der mitgebrachten Röntgenbilder kann kein besonderer Befund der beiden Kniegelenke erhoben werden, sodass eine Beteiligung beider Kniegelenke zunächst nicht bestätigt werden kann. Die Meniskuspalpationen zeigen beidseitig keine Dolenz und keine besonderen Befunde. 

Jedoch fällt bei der Palpation der linken Hintergliedmaße eine verhärtete Muskulatur auf, die im Bereich des Sitzbeinhöckers eine Dolenz aufweist ist. Ebenfalls ist eine Atrophie des Musculus rectus feststellbar - der Musculus rectus erscheint verdickt und dolent. Außerdem fällt ein tubulär verdickter und dolenter Musculus satorius auf.

Bei der Durchtastung der epaxialen Muskulatur fällt insbesondere auf der rechten Seite das blockierte Iliosakralgelenk auf. Die Muskulatur der rechten Hintergliedmaße ist ohne besonderen Befund.

 

Weiterführende bildgebende Diagnostik 

Um den Verdacht einer Kniegelenkspathologie auszuschließen, werden weitere Kniegelenkröntgenaufnahmen unter Tibiakompression in laterolateralem und dorsoventralem Strahlengang beider Hintergliedmaßen als auch der LWS im latero lateralen Strahlengang angefertigt.

 

Interpretation der radiologischen Befunde 

Die Röntgenaufnahmen der linken Hintergliedmaße deuten auf eine hochgradige Muskelatrophie mit verminderter Extension und geringgradige Laxizität des linken Hüftgelenks hin, welche vermutlich durch Ersteres bedingt ist. Diese Beobachtung wird durch die CT Befundung unterstützt. Differentialdiagnostisch am wahrscheinlichsten handelt es sich um eine hochgradige Myopathie des Musculus quadratus femoris, des Musculus obturatorius sowie der anliegenden Musculi adductores links mit periostaler Knochen-Reaktion an der Tabula ossis ischiilinks. 

Als Folge ist eine hochgradige Muskelatrophie der linken Hintergliedmaßen

am wahrscheinlichsten mit einer geringgradigen Lymphadenomegalie der linken Lnn. iliaci. Differentialdiagnostisch kommt eine reaktive Kausalität, eine Lymphadenitis, eine altersbedingte Atrophie und eine Neoplasie ist am wenigsten wahrscheinlich. 

Der geringgradige Kniegelenkerguss im Röntgenbild links ist differentialdiagnostisch am ehesten altersbedingter Genese, eine degenerative, entzündliche, traumatische Genese kommt differentialdiagnostisch in Betracht.

Die geringgradige Lymphadenomegalie des linken Ln. popliteus links ist am ehesten als reaktiver Prozess zu verstehen, kann jedoch auch entzündlich und/oder altersbedingt bedingt sein. 

Die nicht fusionierten Sakralwirbel sind als Sacrococcygealer Übergangswirbel einzustufen.

 

Abschließende Beurteilung: Myositis

Klinisch orthopädisch kann kein auffälliger Befund bei der Palaption der Gelenke hinten links erhoben werden. Die Gliedmaße ist nicht vollständig streckbar. Der Musculus satorius ist tubulär verdickt und dolent. Der Musculus rectus femoris ist verquollen und dolent. Die Palpation des Os ischium ist diffus dolent.

Obwohl das Kniegelenk in den vorberichtlich mit übermittelten Röntgenbildern unauffällig erscheint, kann eine Kontraktur der linken hinteren Gliedmaßenmuskulatur nachvollzogen werden, welche die Funktionseinschränkung des Kniegelenks bestärkt. 

Radiologisch sind Lendenwirbelsäule, Hüfte und Kniegelenke weitestgehend unauffällig.

In der CT Untersuchung kann eine hochgradige Myopathie des Musculus quadratus femoris links mit hochgradiger Muskelatrophie der umliegenden Muskeln gesehen werden.

Die Ätiologie ist am wahrscheinlichsten eine entzündlich bedingte hochgradige Myositis; eine reine Kontraktur oder Neoplasie ist weniger wahrscheinlich.

Die weiter zu befundende geringgradige Lymphadenomegalie der Lnn. iliaci links, ist wahrscheinlich re

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Dr. Gereon Viefhues
Anicura Ahlen GmbH
Tierärztliche Klinik für Kleintiere Ahlen
Bunsenstraße 20
59229 Ahlen

Dr. Gereon Viefhues ist Klinikleiter der Anicura Ahlen GmbH seit 1995. Er studierte bis 1985 in Hannover und promovierte dort 1987. In der anschließenden Weiterbildungszeit zum Fachtierarzt begann er orthopädisch zu arbeiten. Es folgten orthopädische Zusatzausbildungen an diversen internationalen Universitäten. Neben seinem orthopädischen und neurochirurgischen Schwerpunkt beschäftigt er sich intensiv mit der onkologischen Chirurgie und der Weichteilchirurgie. Seit Anfang der neunziger Jahre ist er auf dem Gebiet der Ophthalmologie (Augenheilkunde) tätig.

Hr. Dr. Viefhues ist Prüfer für Fachtierarztprüfungen der Tierärztekammer. Zudem ist er Autor wissenschaftlicher Fachartikel.

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