Katze “Mimi”- eine Lahmheit mit vielen Überraschungen

erstellt am 19. Mai 2022

zurück
Fallbeispiel
Ein Beitrag von  Activet,  Activet Tierarztpraxen GmbH auf VetStage
Hinweis: VetStage ist nicht für den Inhalt verantwortlich. Bitte wende dich bei Rückfragen direkt an den Verfasser.

Die 12-jährige Katze Mimi wurde beim Haustierarzt aufgrund einer Lahmheit geröntgt. Als Zufallsbefund ergab sich ein vergrößertes Herz mit rundlicher Form. Daraufhin wurde Mimi zum Herzultraschall in unsere Activet-Tierarztpraxis in Potsdam überwiesen.

In der allgemeinen Untersuchung zeigte Mimis Herz einen Galopprhythmus sowie auf der rechten Seite hgr. gedämpfte Herztöne, als Nebenbefund ergab sich ggr. Übergewicht.

Die darauffolgenden Herzsonografie ergab eine deutliche Vergrößerung der rechten Herzkammer und des rechten Vorhofs bei leichter Insuffizienz der Trikuspidalklappe und verdickter Kammerwand, grenzwertig dickem Kammerseptum sowie eine erhöhte Fließgeschwindigkeit im Bereich der Atrioventrikularklappen.

Doch auch hier überraschte Mimi uns wieder mit einem interessanten Zufallsbefund: Im Bereich des rechten Herzens besteht eine circa 4,5 x 2,7 cm große Umfangsvermehrung, die bis an die Leber heranreicht und in diese groß bucklig hineinzieht. Diese Veränderung ist kaum vaskularisiert, deutlich abgegrenzt, aber ohne Kapsel, homogen hyperechogen, ohne enthaltene Darmschlingen und ohne größere Gefäße.

 

Aufgrund der Umfangsvermehrung entschließen sich die Kollegen zur weiteren bildgebenden Diagnostik:

Ultraschall Abdomen - auffällige Befunde:

Rechter Leberlappen: Veränderung wie im Thorax beschrieben, gut abgesetzt, gefäßarm, homogen, grobknotig /bucklig in den Bereich der Leber ragend, restliche Leber sonst o.b.B..

Röntgen Thorax:

Die Zwerchfellskuppel lässt sich auf der rechten Seite nicht vollständig darstellen, im Bereich des rechten Herzens/der rechten Lungenlappen ist dezent eine Verschattung sichtbar. Die Veränderungen sind jedoch so gering erkennbar, dass sie ohne den Ultraschallbefund leicht übersehen werden können.

Aus dem Gesamtbild ergaben sich schlussendlich folgende Beurteilungen und Therapieempfehlungen:

  • Die Veränderungen am Herzen können als Cor pulmonale interpretiert werden, als Folge eines längerfristig bestehenden erhöhten Widerstandes in der Lunge.
  • Für das echoreiche Gebilde zwischen rechtem Herz und rechten Leberlappen muss vor allem an eine Zwerchfellshernie mit Vorfall von Fett/Bindegewebe/Lebergewebe gedacht werden.

Da Anzeichen für ein akutes Geschehen fehlen, wird davon ausgegangen, dass es sich um einen Zufallsbefund handelt, der schon länger besteht. Hierbei kommt auch eine - wenn auch sehr seltene - angeborene Missbildung bei der Katze, in Betracht: PPDH (Peritoneale Perikardiale Diaphragmatische Hernie) bei den Organen und Fett aus der Peritonealhöhle in das Perikard vorfallen. Bei dieser Erkrankung handelt es sich klinisch meist um einen Zufallsbefund, der wie auch bei Mimi oftmals erst im fortgeschrittenen Alter entdeckt wird.

Differenzialdiagnostisch sollte auch ein Tumorgeschehen in Betracht gezogen werden, aber die hierfür typischen Flüssigkeitsansammlungen und eine gute Vaskularisierung sind nicht vorliegend.

Da Mimi keinerlei Beschwerdesymptome zeigt, muss zum aktuellen Zeitpunkt über eine chirurgische Intervention nicht weiter nachgedacht werden.

  • Um dem Voranschreiten der Veränderungen am Herzen entgegenzuwirken, wurde zu Benazepril (2,5 mg 1 x täglich) und einer Ultraschallkontrolle des Herzens in ca. 6 Monaten geraten.

Themengebiete

Autor:innen

Activet

Ein interessanter Fachbeitrag. Teile ihn jetzt mit deinem Netzwerk.