Kardiologie: Die feline hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) - Früherkennung und Monitoring können akuten Notfällen vorbeugen

erstellt am 29. Mai 2022

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Fachbeitrag
Ein Beitrag von  Julia Brüner ,  DiploVets (Vet-X-Perts GmbH) auf VetStage
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Herzerkrankungen bei der Katze sind keine Seltenheit. Die Angaben über die Häufigkeit von Herzerkrankungen bei der Katze liegen zwischen >10% - 30%, die wenigsten davon sind angeborene Herzfehler (nur ca. 1%).
Die mit Abstand am häufigsten vorkommende Herzerkrankung der Katze ist die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM).

Was sind die klinischen Symptome einer HCM?

Ein Herzgeräusch und/oder eine erhöhte Atemfrequenz sind häufig das einzige klinische Symptom im Frühstadium der HCM, häufig bleiben klinische Anzeichen sogar komplett aus. Offensichtliche Symptome hingegen treten meist erst im Spätstadium einer HCM auf.

  • Auskultation: Herzgeräusche, Galopprhythmus, ggf. Arrhythmien oder o.b.B.
  • respiratorische Symptome: Veränderungen des Atemtypus und der Atemfrequenz; Zyanose/Dyspnoe/Hecheln→ Hecheln ist bei der Katze immer als Notfall anzusehen!
  • unspezifische Symptome wie verminderte Belastbarkeit, reduzierter Spieltrieb, Inappetenz, vermehrter Schlaf (meist subtiler als beim Hund)
  • Kreislaufprobleme: Synkopen, Arterielle Thrombembolie (ATE) als Folge
  • “Herzhusten” bei Katzen so gut wie nie vorhanden

→ Von asymptomatisch bis plötzlicher Tod ist alles möglich!

Da frühe eindeutige Symptome häufig fehlen, werden viele Katzen erst im fortgeschrittenem Stadium der HCM oder sogar im Rahmen eines Notfalls (z.B. ATE, hgr. Atemnot) beim Tierarzt vorgestellt. Dementsprechend vorsichtig fällt leider häufig auch die Prognose aus.

Ziel sollte es daher sein, eine HCM möglichst frühzeitig zu erkennen, eine  individuelle Therapie einzuleiten sowie mit regelmäßigen Verlaufskontrollen fortzufahren.

Zur Früherkennung können gehören:

  • Echokardiographie: bei allen Herzgeräuschen, evtl. Ausnahmen HG bis 2/6 bei Welpen - ”Verwachsungen” bis 6./7. Lebensmonat möglich - Kontrolle! ; prädisponierte Rassen: Zucht oder prä-anästhetisch
  • der NT-proBNP Test, beispielsweise prä-anästhetisch
  • Blutdruckmessung
  • regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenwerte (Hyperthyreose ↔ sekundäre HCM), Nierenwerte
  • Holen Sie die Besitzer mit ins Boot: regelmäßige Zählung der Ruheatemfrequenz!

Eine intensive und ohne Zeitdruck durchgeführte Auskultation (Herzgeräusche auch parasternal möglich) ist die Basis für eine sorgsame klinische Untersuchung. Einige Herzgeräusche sind dynamisch und nehmen bei Aufregung zu und verschwinden nach einer gewissen Ruhezeit.
Durch zu festes Andrücken des Stethoskops an den Brustkorb kann ein Herzgeräusch induziert werden (Erhöhung der Flussgeschwindigkeit in der Pulmonalarterie).

→ Nicht jede HCM führt zu einem Herzgeräusch ↔ nicht jedes Herzgeräusch ist pathologisch!

Weiteres zur Diagnostik im Überblick

  • Anamnese+klinische Untersuchung+Auskultation Herz und Lunge: Bilden die Basis
  • Röntgen: Lungenödeme oder Thoraxergüsse, ggf. Veränderungen der Herzsilhouette; eignet sich nicht zur Diagnose einer HCM
  • Ultraschall: Goldstandard, zur Diagnose der HCM
  • NT-pro BNP: als richtungsweisender Schnelltest, z.B. bei Dyspnoe und präanästhetisch
  • EKG: Diagnostik von Herzrhythmusstörungen und der Herzfrequenz, keine zuverlässigen Aussagen über Kalium,-/Elektrolytlevel - Labordiagnostik!
  • Gentests: ersetzen nicht die weiterführende Diagnostik, da nicht jede HCM allein durch einen Gendefekt entsteht bzw. es auch Katzen gibt, die trotz Gendefekts gesund sind > allgemein geringe Aussagekraft

Weitere Untersuchungen bei Diagnose HCM

Es ist essentiell, bei einer manifesten HCM nach systemische Grunderkrankungen zu schauen (mögliche Differenzierung primäre vs. sekundäre HCM). Basiswerte:

  • Messung des Blutdrucks
  • Bestimmung des T4
  • Bestimmung der Nierenparameter

Umgekehrt kann bei Diagnose einer systemischen Erkrankung wie einer Hyperthyreose im Optimalfall ein Herzultraschall erfolgen, wenn unklar ist, wie lange die Hyperthyreose schon unbehandelt bestand.

Zum Abschluss: Überblick über die Erstmaßnahmen bei Dyspnoe der Katze

  • jeglichen Stress vermeiden (Besitzer: Anwesenheit vs. Wartezimmer)
  • Röntgen nach individueller Abwägung, ggf. kurzen Herzultraschall bevorzugen (z.B. FAST-Sonographie oder FCU) oder initial abwarten!
  • Venenzugang wenn möglich (Furosemid! ; bei weiterer Verschlechterung des Zustandes schneller Notversorgung) ; wenn unmöglich: Furosemid i.m.
  • Sauerstoffzufuhr erhöhen: ggf. Atemwegssicherung unter Sedation, sonst Sauerstoffbox
  • Thorakozentese wenn nötig (z.B. fehlende Atemgeräusche, stark gedämpfter Perkussionsschall)
  • Butorphanol kann zur Sedierung bei Dyspnoe eingesetzt werden


Weiteres zur Einteilung, Diagnostik und Therapie der felinen Kardiomyopathien finden Sie im ACVIM consensus statement: onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jvim.15745

 

Literaturverzeichnis: Auf Anfrage

Autorin des Artikels:

Tierärztin med. vet. Julia Brüner

 

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Autor:innen

Julia Brüner

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