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„Ab in die Zukunft“ oder auch „Welcher Weg darf‘s sein?“

„Ab In Die Zukunft“ Oder Auch „Welcher Weg Darf‘s Sein?“

Links, rechts, geradeaus oder doch noch einmal einen Schritt zurück?

Manchmal wünsche ich mir ein Navigationssystem zur Hand. Eines das mir sagt, welcher der richtige Weg für mein Leben ist und wie ich am schnellsten zu meinem Ziel gelange.
In 500m halten Sie sich links. Biegen Sie jetzt links ab. Ihr Ziel befindet sich in 20m auf der rechten Seite. Sie haben Ihr Ziel erreicht.

Stattdessen stehe ich jetzt mit meiner frisch erhaltenen Approbation vor dem sinnbildlichen Wegweiser und frage mich:
Doktorarbeit oder besser PhD? Praxis/Klinik? Forschung? Amt? Oder doch etwas ganz Anderes?

Böse Zungen könnten behaupten, man hätte ja fast 6 Jahre Zeit gehabt, sich über seine Zukunft bewusst zu werden, sich darüber im zu Klaren werden, was man nach dem Studium machen möchte. Aber so einfach ist das nicht.

So viele Möglichkeiten – Vorteil oder Nachteil?

Sicherlich gibt es einige Personen, die von Anfang an wussten, dass sie zum Beispiel in die Pferdemedizin gehen möchten und die sich diesen Traum nun auch erfüllen. Aber ebenso viele (und dazu zähle ich mich ebenso) haben ihre Meinung während des Studiums immer wieder geändert.
Ich wollte in die Kleintierpraxis, habe dort meine Ausbildung gemacht und auch während des Studiums gehörten die Klein- und Heimtiere zu meinem Hauptaugenmerk. Im 5. Semester kamen wir das erste Mal mit Rindern in Berührung, tolle Tiere, nette Klinik –  vielleicht doch Rindertierarzt? Zeitgleich gingen die Vorlesungen zu Pathologie, Pharmakologie, Parasitologie und Tierernährung los. Alles interessante Fächer – vielleicht doch in einem Institut anfangen?

Ein Nebenjob auf der Heim- und Wildtierstation brachte mich den Wildtieren näher – Zoo- und Wildtiere sind genau mein Ding!…

…Diese Auflistung könnten wir nun durch den gesamten Vorlesungsplan der verschiedenen Semester sowie im Praktischen Jahr (PJ) fortführen. Ich weiß noch wie viele vor dem PJ über das Amts- oder Lebensmittelpraktikum schimpften, wie unnütz sie dieses fänden und wäre es nicht besser noch mehr Zeit für Praxis-Praktika zu haben? … Nun ich würde behaupten mindestens die Hälfte meiner Kommilitonen, mit denen ich mich unterhalten habe, fanden das Amt nach dem Praktikum überhaupt nicht mehr unnütz und einen Job dort auch gar nicht so abwegig.
Wir haben in der Tiermedizin unendlich viele Möglichkeiten in unserem Beruf zu arbeiten. Ich sehe es als Vorteil, nicht als Nachteil. Sicherlich ist man erstmal erschlagen von den vielen Optionen, den vielen Türen die einem nun offenstehen. Aber dies als Nachteil zu bezeichnen ist sicherlich klagen auf hohem Niveau.

„Wie war das eigentlich bei dir so?“

Den Grundstein für seine weitere Zukunft hat jeder sicherlich im Studium bzw. dann im PJ gelegt. Man hat sich verschiedene Bereiche angesehen (z.B. in den Vorlesungen, Wahlpflichtfächern, freiwillige bzw. Pflichtpraktika, Nebenjobs…) und konnte so für sich entscheiden, ob diese zu einem passen oder nicht. Und wenn nicht – auch gut, so konnte man wenigstens einen Teilbereich wieder von seiner Liste streichen. Ich habe für mich festgestellt, ich mag Rinder – aber mit ihnen arbeiten möchte ich nicht. Und wenn sich meine Meinung in ein paar Jahren doch ändert, kann ich dank meines Studiums immer noch umschwenken. Wir müssen nicht jetzt die Wahl treffen für den Rest unseres Lebens, auch wenn es sich oft so anfühlt. Wir dürfen uns ausprobieren und auch sagen „Nein, das war doch nicht der richtige Weg“, weil man es sich einfach anders vorgestellt hat.

Sehr hilfreich empfand ich es mich mit Leuten zu unterhalten, die uns diesen Schritt bereits voraus sind. Die seit 2, 3, 10 oder 20 Jahren bereits berufstätig sind, ob in der Praxis, im Amt, in der Forschung oder in einem vollkommen anderen Bereich. Die irgendwann genau an diesem Punkt standen wo wir nun stehen und eine Wahl getroffen haben. Die evtl. mit der Entscheidung zufrieden waren oder auch nicht und einen neuen Weg eingeschlagen haben.

Dieser Weg muss nicht schnurgerade verlaufen, er darf Ecken und Kanten haben, sich winden oder auch mal zurückverlaufen. Dabei sollte man sich nicht an dem Weg anderer orientieren (was zugegeben in unserem Fachbereich oft sehr schwer fällt), man sollte sich mit seinem eigenen Weg identifizieren können und zufrieden sein. Und dann interessiert niemanden mehr die Ecken und Kanten, Schleifen oder Umwege zum eigenen Ziel!

 

Über die Autorin:

Katharina Meyer / Foto privat

Katharina Meyer: Tierärztin
Frau Meyer lebt in Berlin und wuchs mit zahlreichen Kaninchen, Hunden und Pferden auf. Die Liebe zu den Tieren aber vor allem das Interesse an der Medizin führte sie schließlich in die Kleintierpraxis, in der sie zunächst eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten begann, bevor sie für das Studium an der Freien Universität Berlin zugelassen wurde. Dieses beendete sie im Februar 2017 mit dem Examen. Während des Studiums arbeitete sie in unterschiedlichen Tätigkeiten– zum Beispiel bei einem Mobilen Tiernotdienst sowie als Promoterin für verschiedene Firmen – und absolvierte zahlreiche Praktika um in die diversen Bereiche der Veterinärmedizin hineinzuschnuppern. Eben diese zahlreichen Möglichkeiten, die es einem ermöglichen als Tierarzt in den verschiedensten Bereichen zu arbeiten, fasziniert sie so an diesem Beruf und machen ihn zu ihrem Traumberuf.

Gast

Hierbei handelt es sich um einen Gastartikel. Informationen über den jeweiligen Autor / die jeweilige Autorin entnehmen Sie bitte dem Text.

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