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Stress in der Tierarztpraxis – Teil 2: Resilienz aneignen

Stress In Der Tierarztpraxis – Teil 2: Resilienz Aneignen

Resilienz aneignen – wie?!

Seine persönliche „innere Stärke“ zu finden ist nicht unbedingt einfach. Bei manchen wird tatsächlich ein „Schalter umgelegt“ und plötzlich ist alles „klar“. Andere kämpfen lange Jahre damit, eine Resilienz aufzubauen und müssen mit vielen Rückschlägen zurechtkommen.
Eine „Schritt-für-Schritt-Anleitung“ für Anfänger gibt es leider nicht. Also, wo fängt man an? Jeder empfindet Stress anders, jeder reagiert anders, jeder ist anders. Was kann man also raten, wenn es so viele individuelle Unterschiede gibt? Im Grunde nur eines: Packen Sie das Problem an der Basis. Und das bedeutet manchmal intensives Schaufeln und Graben, manchmal mit Splittern in den Händen, aber am Ende ist dieser Aufwand eine langfristige und positive Investition in die eigene Zukunft und Gesundheit.
Und hier kommen Ressourcen ins Spiel. Ressourcen sind Hilfsmittel, die dazu dienen, unangenehme Emotionen wieder in angenehme zu wandeln. Hierbei unterscheidet man innere Ressourcen, wie Erinnerungen an schöne oder erfolgreiche Momente im Leben, die ohne äußere Einflüsse zu positiven Gefühlen führen. Sowie äußere Ressourcen, wie Familienmitglieder, Freunde, oder andere soziale Kontakte sowie Orte, an denen man sich wohl fühlt. Jeder kann dabei auf eigene Ressourcen zurückgreifen, die individuell, vielfältig und in unterschiedlichen Situationen zum Einsatz kommen. Ob es sich um persönliche Krisen handelt, um Auseinandersetzungen mit Mitmenschen oder Belastungen bei der Arbeit. Auch körperliche Fitness und das Aufrechterhalten von geistigen Fähigkeiten stellen Ressourcen dar.

Vielleicht fallen Ihnen beim Lesen dieser Zeilen erste Ressourcen ein, unterstützend hilft auch immer eine „Positivliste“, mit Dingen, die positive Gefühle bei Ihnen auslösen. Wenn der Alltag dann mal wieder zu schwer war und Ihr Kopf mit Denken aufgehört hat, können Sie sich diese Liste vornehmen und einfach mal durchgehen, was Ihnen dann akut helfen könnte.
Auch Rituale können eine stetige Ressource darstellen. Verbinden Sie eine Gewohnheit mit einer gewählten Aktion – und konditionieren Sie so ihren Kopf und Körper Schritt für Schritt um. Und wenn es nur ein erstes kleines Ritual ist: Jeden Morgen, wenn ich meine heiße Kaffeetasse in der Hand halte, schließe ich die Augen, fühle die Wärme in den Händen und sage mir: „Das wird heute ein guter Tag.“ Dann lächele ich und atme fünfmal tief Mal durch.
Sie werden sehen, am Ende ist es die Summe der kleinen Glücksmomente, die Ihnen helfen werden, über den Tag zu kommen.

 

Kommunikation als präventive Maßnahme gegen Stress

Neu gewonnene Rituale und Ressourcen helfen womöglich über berufliche und persönliche Unzufriedenheit sowie manche externe Stressoren hinweg. Trotz aller „guten Vorsätze“ kann jedoch eine „gescheiterte“ Kommunikation mit Mitmenschen zu einer erhöhten Cortisol-Ausschüttung mit nachfolgender Explosionsgefahr führen. Ob es sich dabei um Patientenbesitzer oder Mitarbeiter handelt spielt kaum eine Rolle. In manchen Situationen wird man schlicht „auf dem falschen Fuße“ erwischt.

Die Kommunikation per se beinhaltet bereits ein hohes Maß an Interpretationsmöglichkeit. Eine falsche Interpretation von Aussagen führt zu Missverständnissen und damit verbunden durchaus auch zu falschen Reaktionen oder Handlungen. Diese Irrtümer können, in einer Kette von weiteren Missverständnissen, bis hin zum Mobbing am Arbeitsplatz führen. Die Folgen davon sind neben psychischen Auswirkungen meist auch ein Ausscheiden des Betroffenen aus dem Arbeitsverhältnis.

Die Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sind also Kompetenzen, die nicht nur dann trainiert werden sollten, wenn man bereits Probleme mit anderen Menschen hat. Es sollte als eine grundsätzliche Kompetenz angesehen werden, die es zu fördern gilt.
Was ist das Geheimnis einer guten Kommunikation? Eigentlich recht einfach: Lassen Sie keine Interpretationsmöglichkeiten zu – und bleiben Sie auf Augenhöhe.
Jedoch ist dies leichter gesagt als getan. Nicht von ungefähr bevölkern Kommunikationsseminare die Listen der Fortbildungsanbieter. Nicht umsonst werden Coaches Klinik- und Praxisintern gebucht, um die Kommunikationsfähigkeit von Mitarbeitern (und Führungskräften) zu schulen.

Interessanterweise spielt dabei die Ebene Tierarzt-Patientenbesitzer eher eine untergeordnete Rolle. Zwar muss man auch hier lernen, sich nicht von Dr. Google das Zepter aus der Hand nehmen zu lassen und seine Leistung entsprechend darzustellen, aber um vor allem in größeren Teams diese Ebene der Kommunikation erfolgreich (und umsatzstark) umzusetzen bedarf es erst einer „internen Arbeit“.
Das Team hinter dem Tierarzt und vor allem die Führungsebene nehmen Einfluss darauf, wie in der Sprechstunde am Ende kommuniziert wird. Gibt es Querelen und Streitereien im Team, gibt es immer Möglichkeiten, sich aus dem Weg zu gehen (notfalls den Dienstplan dementsprechend ändern). Aber die Führungsebene, die ist omnipräsent.

Ob es um Dienstpläne geht oder um das korrekte Abrechnen von Leistungen. In den allermeisten Fällen würde man sehr viel Stresspotential aus dem tierärztlichen Alltag ziehen können, wenn die Führungsebene eine gute Kommunikation mit der Mitarbeiterebene pflegen würden. Was aber bremst? Harmoniebedürftigkeit, Zeitmangel, Angst vor Entlassung, unangenehmen Konfliktgesprächen oder gar Mobbing….
Wer es allerdings schafft, über Hierarchieebenen hinweg eine gute Kommunikationskultur zu etablieren, kann neben dem Aufbau einer persönlichen Resilienz auf einer weiteren Ebene aktiv etwas gegen ein drohendes Stressempfinden tun.

 

erschienen im VeterinärSpiegel 2017, Ausgabe 4, S. 164-167

 

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Dr. Lisa Leiner

Frau Dr. Lisa Leiner ist Tierärztin und Geschäftsführerin der Job- und Karriereplattform VetStage. Als Autorin des Buches "Stress- und Zeitmanagement für Tierärzte" schreibt sie regelmäßig auch für das VetStage Magazin Artikel zu den Themen Selbstmanagement, Kommunikation, Führungsqualitäten und Teamführung.

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