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Veti-Studenten im Ausland: Praktikum in der Kleintierklinik der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Melbourne, Australien

Veti-Studenten Im Ausland: Praktikum In Der Kleintierklinik Der Veterinärmedizinischen Fakultät Der Universität Melbourne, Australien

Henny hat an der FU Berlin studiert und absolvierte im 9. Semester (2009) ein 6-wöchiges Praktikum im Veterinary Teaching Hospital in der School of  Veterinary Science  of  the University of Melbourne, Australien

Interviewer: Wie bist Du an das Praktikum gekommen bzw. wie bist Du darauf aufmerksam geworden?

Henny: Ich wollte schon immer nach Australien und habe im Internet daher nach Ansprechpartnern (Studentenbeauftragten etc.) für Studenten an den Unikliniken gesucht und einfach eine ganze Reihe an Anfragen rausgeschickt, ob es eine Möglichkeit für ein internationales Praktikum gäbe. Von den tiermedizinischen Hochschulen haben sich dann nur Sydney und Melbourne zurück gemeldet (teilweise wurden meine Emails mehrere Male weitergeleitet oder ich bekam Emailadressen von den zuständigen Leuten zugeschickt, an die ich mich dann wenden konnte).

 

Australien_VetStageInterviewer: Wie lief die Bewerbung für die Praktikumsstelle ab?

Henny: Sydneys Bewerbungsverfahren war extrem aufwendig und kompliziert, sodass ich es mit Melbourne versuchte. Da musste ich dann eine Korrespondenz zu einer höheren Position bei uns an der Uni herstellen – ich entschied mich für Frau Prof. Müller aus der Klauentierklinik – damit das Praktikum als offizieller universitärer Austausch gewertet werden konnte. Dann kam die offizielle Bewerbung mit Lebenslauf, einem „Letter of Intention“ und Frau Müllers Empfehlung, worauf ich die offizielle Zusage mit einem Terminvorschlag bekam. In späteren Emails wurde dann geklärt, in welchen Abteilungen ich gerne das Praktikum machen wollen würde. Normalerweise ist die Höchstdauer eines Praktikums 4 Wochen, jemand hatte mir aber schon vorher 6 Wochen zugesagt, deshalb gab es eine Ausnahmeregelung für mich.

 

Interviewer: Warst Du während Deines Praktikums auf eine Unterkunft angewiesen und wie hast Du bzw. wie wurde diese organisiert?

Henny: Mir wurde von der für mich Zuständigen empfohlen im Studentenwohnheim direkt gegenüber der Klinik ein Zimmer zu nehmen. Da es in der näheren Umgebung sonst keinerlei Unterkunftsmöglichkeiten gab, biss ich in den „sauren Apfel“. Es war teuer, aber im Endeffekt sehr praktisch und auch schön, die anderen Studenten und teils internationalen Praktikanten kennenzulernen. Also habe ich es nicht bereut, im Gegenteil!

 

Interviewer: Wie lief das Praktikum im Groben ab?

Henny: Ich war jeweils zwei Wochen in den Abteilungen Diagnostic Imaging, Emergency and Critical Care Unit und Small Animal Surgery. Im OP durfte ich zuschauen und auch (mal) assistieren und die Tiere auf die Intensivstation zum Aufwachen bringen. Auf der Station für Intensivmedizin wurde ich komplett in die Aufgaben der dortigen Rotationsstudenten eingebunden, d.h. Intensivprotokolle machen, Tiere rauslassen (zum Geschäft erledigen), Käfige säubern, mit den Tierärzten Fälle besprechen usw. Im abendlichen/nächtlichen Notdienst durfte ich die Erstuntersuchung und Aufnahme der Patienten machen. Im „Diagnostic Imaging“ habe ich viel Zeit damit verbracht, Tutorien am Computer zur Röntgenbildbetrachtung durchzuarbeiten und ganz viele Übungsröntgenbilder (für die Studenten, mit Lösungen dazu) durchzuschauen. Ich habe dort somit sehr viel über Röntgenbildanalyse lernen können. Ansonsten war ich bei den Ultraschalluntersuchungen dabei und bin bei verschiedenen Fällen mitgelaufen.

 

Interviewer: Hat das Praktikum Deine Erwartungen erfüllt?

Henny: Ja, ich habe mich dort in der Klinik sehr gut aufgehoben gefühlt. Es war gut, weil die Ärzte den Umgang mit den Studenten gewohnt sind und auch wenn ich selber nicht super viel machen durfte, war ich doch meistens irgendwie beschäftigt. Und die ganzen Übungen und PC-Tutorien im „Diagnostic Imaging“ haben mich in meinem Röntgenwissen sehr viel weiter gebracht. Die Zeit war auch lang genug, um sich richtig „einleben“ zu können und der Austausch mit den australischen Studenten war auch sehr gut.

 

Interviewer: Würdest Du das Praktikum weiter empfehlen?

Henny: Ja, auf jeden Fall! Als ich da war, habe ich allerdings erfahren, dass die kaum genug Kapazitäten für die klinische Rotation ihrer eigenen Studenten hatten und ich wohl (erst mal) die letzte Auslandspraktikantin gewesen bin.

 

Interviewer:  Gab es auch Schwierigkeiten, Probleme oder besondere Dinge, die beachtet werden mussten?

Henny: Ja, am ersten Tag wusste leider keiner mehr, dass ich kommen würde. Die ganzen Tierärzte vom OP-Team hatten keine Ahnung, das war nicht schön. Genau das Gleiche auf der Intensivstation. Dann kommt man sich gleich am ersten Tag ziemlich verloren vor, was schade war.

 

Interviewer: Gab es eine Abschlussevaluierung des Praktikums und wie sah diese aus?

Henny: Ich wurde gefragt, ob die Tierärzte, mit denen ich zusammengearbeitet hatte, mich bzw. meine Arbeit auf einem Bewertungsbogen (der für jeden dortigen Rotationsstudenten ausgefüllt wurde) mit einer Art Schulnotensystem bewerten sollten. Leider habe ich abgelehnt und mir stattdessen einfach nur meine Anwesenheit bescheinigen lassen. Das habe ich im Nachhinein bereut, da ich doch gerne ein Art „Arbeitszeugnis“ gehabt hätte, das mir evtl. für spätere Bewerbungen hilfreich gewesen wäre.

 

Interviewer: Konntest Du das Praktikum für Dein Veterinärmedizinstudium anrechnen lassen?

Henny: Ja, ich ließ es mir in unserem Rotationsjahr als Teil meines Wahlpraktikums anrechnen.  

 

Interviewer: Gab es eine Vergütung oder eine Aufwandsentschädigung?

Henny: Nein, nichts. Ich musste ALLES selbst bezahlen, auch den Aufenthalt im Studentenwohnheim wo ich verpflichtet war, während der Vorlesungs-/Prüfungszeit (die ersten 2 oder 3 Wochen) denen auch die teure Verpflegung (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) abzunehmen.

 

Interviewer:  Was hast Du insgesamt aus dem Praktikum mitgenommen?

Henny: Ich habe gelernt wie man sich auch im Ausland problemlos in ein bestehendes Klinikteam einfügt, tierärztliches Arbeiten auf höchstem Niveau erleben können und mich gut aufgehoben gefühlt. Ich hätte mir gewünscht, die Leute wären besser auf mein Kommen vorbereitet gewesen, aber ich wurde trotzdem überall sehr nett aufgenommen. Ich sehe es als großen Vorteil an, ein Praktikum in einer anderen Uniklinik zu machen, da die Leute dort den Kontakt mit Studenten gewohnt sind und wissen was man Ihnen zumuten kann. Außerdem hat es mich sehr interessiert wie das Studium und die Prüfungen so in Australien ablaufen und der Austausch mit den Studenten dort hat mir riesen Spaß bereitet.

 

Vielen Dank fürs Interview!

 

Link zur Praxis/ Klinik/ Unternehmen:

http://vh.unimelb.edu.au/index.html

http://www.vet.unimelb.edu.au/about/visit.html

 

Bildnachweis: Foto by Lupo / www.pixelio.de

Dr. Lisa Leiner

Frau Dr. Lisa Leiner ist Tierärztin und Geschäftsführerin der Job- und Karriereplattform VetStage. Ihr Hauptaugenmerk liegt in der Personalakquise im Namen von Kolleginnen und Kollegen. Diskretion und gegenseitige Wertschätzung sowie Respekt stehen hierbei als Werte ganz oben.

Als Autorin des Buches "Stress- und Zeitmanagement für Tierärzte" schreibt sie zudem für das VetStage Magazin Artikel zu Themen wie Selbstmanagement, Kommunikation, Führungsqualitäten und Teamführung.

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