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Vertrauen ist gut! – Teil 1: Warum gibt es eigentlich Ärzte?

Vertrauen Ist Gut! – Teil 1: Warum Gibt Es Eigentlich Ärzte?

„Ich möchte gerne Tierarzt werden, weil ich besser mit Tieren umgehen kann, als mit Menschen.“
(Zitat eines Veterinärmedizinstudierenden)

 

Seit die Digitalisierung des Alltags so richtig Fahrt aufgenommen hat, scheint auch die Beziehung zwischen Tierarzt und Patientenbesitzer – wie die Gesamtheit der sozialen Interaktion – einem deutlichen Wandel zu unterliegen. Kam das einleitende Zitat vielleicht hierarchisch geprägten vergangenen Tierarztgenerationen noch nicht sonderlich abwegig vor, kann man heutzutage eigentlich recht gut darüber lachen – und still für sich hoffen, dass dieser Veterinärmedizinstudierende seinen Weg nicht in die Praxis findet. (Beschleichen Sie da eigentlich auch manchmal leise Zweifel?)

Der „Altpraktiker“ konnte (und kann?) sich vielleicht leisten, muffelig und wortkarg sein Behandlungsschema zu verfolgen und musste sich um so einen Zirkus wie (Online-)Marketing und Social Media keinen Kopf machen. Den zeitgemäßen Veterinär plagen jedoch mehr und mehr die Sorgen um Kundenzufriedenheit, selbstinformierte Patientenbesitzer, die ihr Mitspracherecht einfordern und die zunehmende „Dienstleisterstellung“ des Berufsstandes. Wie kann ich das Vertrauen meiner Kunden erhalten und be-halten?!

 

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, was da eigentlich gerade los ist?!

Nun – eine umfassende Analyse wird wohl den Rahmen eines Blogbeitrags sprengen. Aber um zu verstehen, wo das Vertrauen in die (Tier-) Ärzteschaft überhaupt herkommt möchte ich Sie mit diesem Gastbeitrag auf eine kleine Reise in die Geschichte der Arzt-Patienten-Beziehung entführen.*

Warum gibt es eigentlich Ärzte?

Menschen fürchten sich vor Hilflosigkeit/Kontrollverlust und vor Dingen, die sie nicht verstehen. Sehen sie sich mit einer furchterregenden Situation konfrontiert, greifen unterschiedliche Methoden der Angstbewältigung. Am beliebtesten ist dabei, auf irgendeinem Wege ein (subjektives) Gefühl der Kontrolle zu erlangen.

„Krank sein“ ist nun seit jeher etwas, was wir Menschen fürchten – zum einen, weil wir es in der Regel weder verstehen noch kontrollieren können. Zum anderen sicherlich auch, weil es uns auf recht unangenehme Weise an die Machtlosigkeit angesichts der Vergänglichkeit unserer Existenz erinnert. Ob es nun die eigene Erkrankung oder die des vierbeinigen Lieblings ist, scheint dabei an Bedeutung zu verlieren, seit die Grenzen zwischen „Haustier“ und „vollwertigem Familienmitglied“ zunehmend verschwimmen.

Was tut Mensch also? In dem Versuch, sein liebstes Kontrollgefühl wiederzuerlangen, hat er schon sehr früh in der Welthistorie damit begonnen, bestimmten Gruppen von Menschen die Fähigkeit zuzusprechen, Macht über Krankheit und Gesundung zu haben. Im Laufe der Geschichte gründete das Vertrauen in die Macht dieser Menschen in unterschiedlichen Teilen auf Magie/Schamanismus, Theologie und schließlich auf die Erkenntnisse aus (wissenschaftlichen) Beobachtungen. Letzterer Aspekt konnte mit dem Siegeszug der Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten bekanntlich deutlich an Bedeutung gewinnen – interessant für mich persönlich an dieser Stelle übrigens die Beobachtung, dass sich anscheinend mittlerweile wieder in eine rückläufige Tendenz abzuzeichnen scheint…

Die Hierarchie Arzt-Patient

Mit zunehmender Zivilisierung wurde auch die Rolle des Heilers/Priesters/Schamanen immer weiter institutionalisiert und so eine klare hierarchische Rollenstruktur zwischen Heilenden und Kranken geschaffen, die bis vor einigen Jahren auch noch recht eindeutig Bestand hatte. Seinem Arzt wurde quasi „blind“ vertraut, denn etwas anderes blieb ja auch nicht übrig: Ärzte, die Götter in weiß! Sie können Kranheiten heilen!
Blöd nur, dass offensichtlich jetzt viele Menschen eine andere Taktik für sich entdeckt haben: Selbst-Information. Wissen schafft Sicherheit, und plötzlich ist das Wissen um die Medizin nicht mehr nur einer begrenzten Anzahl von Menschen zugänglich. Plötzlich ist das Wissen überall: Auf Facebook, auf Google, in Foren usw… Die gesellschaftliche Rolle des Mediziners hat beobachtungsgemäß etwas darunter zu leiden. Ob man es den Patienten(besitzern) so recht verübeln kann? – Ich persönlich gehe zugegebenermaßen in der Regel auch nicht mehr zum Arzt (oder ins Reisebüro… in die Buchhandlung… oder zur KFZ-Werkstatt…), ohne mich vorher informiert zu haben. Man wird also kritischer, das Vertrauen muss stärker „erarbeitet“ werden.

– Und warum wir generell eigentlich ungern zum Arzt gehen und welchen Stellenwert „Vertrauen“ für die veterinärpraktische Tätigkeit hat, lesen Sie im nächsten Gastbeitrag.

 

Über die Autorin:

Alina Küper / FokusTiergesundheit

Alina Küper: Tierärztin | Unternehmerin und Gesellschafterin von www.fokustiergesundheit.de

Nach abgeschlossenem Examen 2016 hat es Frau Küper – statt wie geplant gleich in die Rinder- und Pferdepraxis – doch zunächst in die Wissenschaft verschlagen. Ausschlaggebend war die Erkenntnis, dass  bei ihr in den Bereichen Kommunikation, Marketing, Betriebswirtschaft und Personalführung deutliche Wissenslücken bestanden. Mit den Erkenntnissen aus ihrer aktuellen Studie hofft sie einem größeren Kollegenpublikum einen Zugang in diesen spannenden und wichtigen Themenkreis eröffnen zu können. Parallel sammelt sie auf Unternehmensebene entsprechend praktische Erfahrungen im Bereich Produktentwicklung, Innovation und Onlinemarketing im tiermedizinischen Sektor.

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Nehmen Sie jetzt teil unter www.fokustiergesundheit.de

(Einladungen zur Umfrage an Kolleginnen und Kollegen dürften gerne versendet werden.)

 

 

*Leider ist im Bereich unserer besonderen Tierarzt-Patientenbesitzer-Beziehung nur wenig Literatur zu finden. Vor dem Hintergrund der zunehmend engen Tier-Mensch-Beziehung erscheint mir eine Übertragung der dargestellten Sachverhalte aus der Human- in die Veterinärmedizin jedoch haltbar.

 

Dr. Lisa Leiner

Frau Dr. Lisa Leiner ist Tierärztin und Geschäftsführerin der Job- und Karriereplattform VetStage. Als Autorin des Buches "Stress- und Zeitmanagement für Tierärzte" schreibt sie regelmäßig auch für das VetStage Magazin Artikel zu den Themen Selbstmanagement, Kommunikation, Führungsqualitäten und Teamführung.

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