skip to Main Content

Als Tiermedizinstudent ins Ausland – Teil 1: study abroad!

Als Tiermedizinstudent Ins Ausland – Teil 1: Study Abroad!

Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums der Tiermedizin ist eine sehr bereichernde Erfahrung und bringt viele Vorteile. Er führt nicht nur zu einer Erweiterung des Horizonts durch das Erleben anderer Kulturen und den Austausch mit anderen internationalen Studenten, sondern fördert auch die Anwendung der Fremdsprache und die Vertiefung des Studiums. Für einige Monate in ein fremdes Land zu gehen, ist eine persönliche Herausforderung, die ein gewisses Maß an Flexibilität und Sozialkompetenz erfordert – Eigenschaften, die im späteren Berufsleben von großem Nutzen sein können.

Ein erfolgreicher Auslandsaufenthalt erfordert eine umfangreiche Vorbereitung und man sollte so früh wie möglich mit der Planung beginnen, da die Organisation je nach Zielland, Aufenthaltsdauer und Finanzierungsbedarf bis zu 18 Monate in Anspruch nehmen kann (bedingt durch Bewerbungsfristen und diverse bürokratische Vorgänge). Der geeignete Zeitpunkt für ein Auslandstudium ist für Tiermedizin-Studenten das 5./6. Fachsemester, wenn die Vorklinik abgeschlossen ist und erste Grundlagen vorhanden sind. Mit der Vorbereitung sollte folglich im 3./4. Semester begonnen werden.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Tiermedizin-Studium im Ausland zu arrangieren.

Der erste und einfachere Weg ist der Austausch über eine bereits etablierte Universitätpartnerschaft. Die Heimatuniversitäten und tiermedizinische Fakultäten haben zahlreiche Austauschkooperationen mit anderen Hochschulen im europäischen (z.B. Frankreich, Großbritannien, Ungarn) aber auch im außereuropäischen Ausland (z.B. USA, Japan, Mexiko, Australien), die es Tiermedizinstudenten ermöglichen, für ein bis zwei Semester außerhalb Deutschlands zu studieren. Die (lange) Liste der Partnerhochschulen ist auf den Internetseiten der Universitäten bzw. tiermedizinischen Fakultäten zu finden. Für die Vermittlung der Studienplätze, die Organisation und den Austausch von Leistungen sorgt europaweit das Austauschprogramm „ERASMUS+“ und weltweit weitere internationale Partnerschaften und Kooperationsprogramme der Universitäten (z.B. „LMUexchange“). Die Studiengebühren an der Partnerhochschule werden bei diesen Programmen erlassen. Bei „ERASMUS+“ erhalten Studenten zusätzlich ein monatliches Stipendium von bis zu 180€.

Der zweite Weg, der mehr Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten bietet, aber mit wesentlich mehr Aufwand verbunden ist, ist eine Individualbewerbung an einer beliebigen Hochschule im Ausland. Hierbei muss man sich selbständig Informationen zum Bewerbungsverfahren, zu den Voraussetzungen, benötigten Unterlagen und anfallenden Studiengebühren beschaffen. Auch die Vermittlung zwischen Heimat- und Fremduniversität muss eigenverantwortlich durchgeführt werden, indem man die zuständigen Stellen beider Hochschulen kontaktiert.

 

Wichtig: Gute Sprachkenntnisse und die Abstimmung von Studienleistungen.

Bereits zum Zeitpunkt der Bewerbung um einen Studienplatz im Ausland bzw. ein Stipendium müssen i.d.R. ausreichende Kenntnisse in der Unterrichtssprache nachgewiesen werden. Dies erfolgt durch einen anerkannten standardisierten Sprachtest (z.B. TOEFL, IELTS, DAAD-Sprachtest), für den an den Universitäten vorbereitende Kurse angeboten werden. Vorhandene Sprachkenntnisse können zwar an der Gasthochschule vertieft werden, es wäre jedoch nicht sinnvoll, erst zu Beginn des Auslandsaufenthalts die Sprache des Gastlandes zu erlernen. Denn man sollte in der Lage sein, von Anfang an den Lehrveranstaltungen zu folgen und aktiv daran teilzunehmen. Auch der Alltag lässt sich natürlich leichter meistern, wenn man zumindest die Grundlagen der Landessprache beherrscht.

Da das Studium der Veterinärmedizin sehr verschult ist und es nur wenige Wahlfreiheiten innerhalb des Curriculums gibt, lässt es sich nicht unbedingt leicht mit einem Auslandaufenthalt vereinbaren.  Gerade deshalb ist es von großer Wichtigkeit, dass das Semester im Ausland so gestaltet wird, dass es zu keiner Verlängerung der Studienzeit kommt. Bereits vor der Abreise sollte die Kurswahl und die zu erbringenden Studienleistungen (Vorlesungen, Kurse, Klinikstunden, praktische Übungen, Prüfungen,…) mit der eigenen Fakultät abgestimmt werden, damit es nach dem Auslandsaufenthalt zu keinen bösen Überraschungen kommt und zu viele Leistungen nachgeholt werden müssen. In der Regel werden die meisten der im Ausland erbrachten Studienleistungen anerkannt, wenn die entsprechenden Nachweise nach der Rückkehr beim Prüfungsamt vorgelegt werden können. Studierende, die über „ERASMUS+“ ins Ausland gehen, müssen dafür während des Studiums ein „Learning Agreement“ erstellen, in dem alle Veranstaltungen an der Gasthochschule eingetragen werden. Auch für andere Studenten ist solch ein schriftlicher Nachweis sinnvoll.

 

Kleiner Wegweiser für das Vorhaben „Studieren im Ausland“

Bevor man sich um einen Studienplatz im Ausland bewirbt, sollte man sich zunächst einige Gedanken machen über Zeitpunkt, Dauer, Ort und Ziel des Auslandsaufenthalts und erste Informationen sammeln über:

  • Bildungssystem, Kultur und Politik des gewünschten Ziellandes
  • die ausgewählte Partneruniversität (z.B. Semesterzeiten, Unterrichtssprache, Kursangebot)
  • Besondere Regelungen und Voraussetzungen für den Auslandsstudienaufenthalt (z.B. Sprachnachweise, Visumsangelegenheiten)
  • Finanzierung des Aufenthaltes

An den Universitäten liegt zahlreiches Informationsmaterial aus und es werden jedes Semester Informationsveranstaltungen mit Vorträgen rund um das Auslandsstudium angeboten. Wer eine individuelle Beratung möchte, kann sich an Studienberater an den Universitäten wenden, die Unterstützung bei der Planung und Organisation anbieten. Desweiteren finden sich im Netz zahlreiche allgemeine Informationen über ein Auslandsstudium (z.B. unter www.go-out.de) und auch Erfahrungsberichte von ehemaligen bzw. gerade im Ausland lebenden Austauschstudenten können sehr hilfreich sein (diese findet man u.a. auf den Internetseiten der tiermedizinischen Fakultäten).

Wenn man sich für eine Universität im Ausland entschieden hat, sollte man alle notwendigen Unterlagen und Nachweise (z.B. Gutachten von Dozenten) sammeln, notwendige Prüfungen (z.B. Sprachtests) ablegen und – falls erforderlich – ein Stipendium beantragen, um den Zulassungsantrag für den Studienplatz fristgerecht bei den Universitäten einreichen zu können. Nach der Bewerbung finden an der Heimatuniversität Auswahlgespräche statt, bei der die persönliche und fachliche Eignung und die Förderungswürdigkeit des Auslandsaufenhaltes geprüft wird. Wird man von der Heimatuniversität ausgewählt, erfolgt die Empfehlung an die Partnerhochschule, wobei man sich meist zusätzlich direkt dort bewerben muss.

Nach der Zusage der ausgewählten Partneruniversität, darf man vor lauter Vorfreude auf das bevorstehende Auslandssemester, natürlich nicht vergessen, rechtzeitig wichtige Dokumente (Reisepass bzw. Ausweis, evtl. Visum) zu beantragen, sich bei der Studentenkanzlei beurlauben zu lassen (um Studienplatz und Krankenversicherungsschutz nicht zu verlieren) und sich um weitere Details wie Versicherungen, Anreise und Unterkunft zu kümmern. Und dann heißt es irgendwann Koffer packen und nach einer langen und aufwendigen Vorbereitungszeit wartet schließlich ein spannender und erlebnisreicher Studienaufenthalt im Ausland auf dich!

 

Weitere Möglichkeiten, als Tiermedizin-Student ins Ausland zu gehen und Informationen zur Finanzierung von Auslandsaufenthalten folgen in den nächsten Wochen in unserem Blog!

 

Über die Autorin:
Tonia Olson hat 2005 ihr Veterinärmedizin-Studium in München abgeschlossen. Bei ihrem anschließenden mehrjährigen Aufenthalt in Skandinavien war sie u.a. in einer städtischen Gemischtpraxis tätig. Nach der Elternzeit arbeitet sie nun in einer Kleintierpraxis in der Nähe von München. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder, eine Katze und einen Hund.

Gast

Hierbei handelt es sich um einen Gastartikel. Informationen über den jeweiligen Autor / die jeweilige Autorin entnehmen Sie bitte dem Text.

Back To Top
Suche