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Cyber-Mobbing – wenn das Internet das Leben zur Hölle macht.

Cyber-Mobbing – Wenn Das Internet Das Leben Zur Hölle Macht.

Durch die neuen Informationstechnologien hat sich unsere Kommunikation mit anderen Menschen extrem verändert. Über Handy und Internet sind wir immer und überall erreichbar und Informationen können schnell an einen großen Personenkreis verbreitet werden.

Dieser erleichterte Austausch über verschiedene Dienste hat durchaus Vorteile, birgt aber leider auch die Gefahr, dass das Internet für Beleidigungen, Verleumdungen, Belästigungen oder Bedrohungen anderer benutzt werden kann. Geschieht dies absichtlich und über einen längeren Zeitraum hinweg, spricht man von Internet- oder Cyber-Mobbing.

 

Das Cyber-Mobbing unterscheidet sich in einigen Punkten vom Mobbing im realen Leben:

  • Kein Rückzugsraum: Die Online-Kommunikation über das (mobile) Internet läuft überall und rund um die Uhr ab, d.h. das Cyber-Mobbing endet nicht nach der Arbeit, sondern das Opfer ist nicht einmal zu Hause vor Mobbing-Attacken geschützt.
  • Gesichtslosigkeit der Medien: Mobber sehen online nicht die direkten Reaktionen bzw. die Betroffenheit des Opfers, d.h. es ist leichter verletzende Aussagen im Internet zu treffen und das Ausmaß des Mobbings kann oft nicht eingeschätzt werden.
  • Die mögliche Anonymität im Internet begünstigt eine enthemmte Online-Kommunikation des Mobbers und führt zu einem noch stärkeren Gefühl der Angst, Unsicherheit und Hilflosigkeit beim Opfer.
  • Inhalte verbreiten sich extrem schnell und können immer wieder (auch nach einer Löschung) über Suchmaschinen an die Öffentlichkeit gelangen.
  • Das Publikum ist unüberschaubar groß, so dass das Ausmaß von Cyber-Mobbing größer ist als beim Mobbing im realen Leben.

Aus diesen Gründen sind die langfristigen psychischen Folgen bei Cyber-Mobbing für das Opfer z.T. schwerer als bei Mobbing im realen Leben und reichen von anhaltendem Stress, Angst, Ess- und Schlafstörungen bis hin zu einer Depression. In extremen Fällen kann es zu Selbstmordgedanken kommen.

 

Auch Tierärzte können Opfer von Cyber-Mobbing werden. Welche Faktoren begünstigen dies?

  1. Unrealistische Erwartungen und Forderungen der Patientenbesitzer

Durch die modernen Informationstechnologien und Kommunikationsmittel, sind auch Tierärzte immer mehr der Kritik ihrer Kunden in Bewertungsportalen und sozialen Netzwerken ausgesetzt. Zum Leistungsdruck am Arbeitsplatz, kommt also zunehmend der Druck, ständig unter öffentlicher Beobachtung zu stehen.

Verstärkt wird dieser Druck durch die extrem hohe Erwartungshaltung der meisten Patientenbesitzer. Sie erwarten von ihrem Tierarzt, dass er im Job stets eine perfekte Leistung erbringt und immer gut gelaunt ist. Ist dies einmal nicht der Fall oder unterläuft ein Fehler, so kann es sogleich im Netz zu schlechten Bewertungen bis hin zu persönlichen Angriffen, Beleidigungen und Verleumdungen kommen.

  1. Konflikt zwischen den Bedürfnissen des Patienten und den Wünschen des Besitzers

Der tierärztliche Beruf ist einzigartig in der Hinsicht, dass man als Tierarzt nicht mit dem Patienten direkt, sondern über eine dritte Partei – dem Tierbesitzer – in Verbindung steht. Die Patientenbesitzer haben zwar oft nicht viel Ahnung von der Tiermedizin, jedoch die komplette Kontrolle über ihre Vierbeiner und treffen die Entscheidungen – wobei sie dabei oft emotional und nicht objektiv handeln.

Durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, u.a. mangelnde finanzielle Möglichkeiten, Missverständnisse und irrationale Vorstellungen, kann es zu Konflikten kommen, die so weit führen können, dass Patientenbesitzer mit ihrem Tierarzt abrechnen wollen. Sie tun dies oft unter dem falschen Vorwand, dass sie ihn davon abhalten wollen, noch weiteren Tieren „Schaden“ zuzufügen. Geschieht dies über das Internet, z.B. über abwertende oder diffamierende Posts in sozialen Netzwerken, kann dies soweit eskalieren, dass sich auch andere Leute davon anstacheln lassen und sich total in das Thema hineinsteigern. Der Schaden für den Tierarzt und seine Praxis kann massiv sein.

Wird ein Tierarzt mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel permanent diffamiert und beleidigt, kann dies dazu führen, dass der Ruf des Tierarztes systematisch zerstört wird und es durch den Imageschaden zum wirtschaftlichen Aus der tierärztlichen Praxis kommt. Dass dies sogar zum Selbstmord führen kann, zeigt der traurige Fall der amerikanischen Tierärztin Shirley Koshi, die aufgrund einer extremen Hetzkampagne auf ihrer Praxis-Homepage und in sozialen Medien, ihre Praxis schließen musste und sich daraufhin 2014 das Leben nahm.

 

Wie kann man sich gegen Cyber-Mobbing wehren bzw. davor schützen?

Es ist meist sehr schwer, sich gegen Angriffe und Anfeindungen im Internet selbst zur Wehr zu setzen. Deshalb sollte man gar nicht erst persönlich auf Cyber-Mobbing reagieren, sondern sollte Beweise (z.B. mit Hilfe von Bildschirmfotos mit Internetadresse und Zeitangabe) sichern und den Netzwerkanbietern bzw. Seitenbetreibern die problematischen Inhalte melden. Diese können eine Löschung erwirken bzw. die mobbende Person blockieren, wenn dieser gegen Richtlinien bzw. gesetzliche Regelungen verstoßen hat.

In extremen Fällen von Cyber-Mobbing, ist es wichtig, umgehend die Polizei zu informieren. Diese kann den/die Täter identifizieren und eine Strafverfolgung wegen Persönlichkeitsverletzung einleiten. Auch andere Tatbestände wie Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung oder gar Nötigung und Bedrohung, können strafbar sein.

Um Cyber-Mobbing zu verhindern, sollte man mit Daten im Internet sparsam umgehen und sich in regelmäßigen Abständen selbst googeln bzw. eine Personensuchmaschine wie z.B. Yasni nützen, um eigene Inhalte (Einträge, Fotos usw.) im Internet aufzufinden und so seinen Online-Ruf – privat und als Tierarzt – zu schützen.

Weitere Artikel zum Thema:

Mobbing am Arbeitsplatz
Mobbing am Arbeisplatz – die Folgen und das Vorgehen

 

Über die Autorin:
Tonia Olson hat 2005 ihr Veterinärmedizin-Studium in München abgeschlossen. Bei ihrem anschließenden mehrjährigen Aufenthalt in Skandinavien war sie u.a. in einer städtischen Gemischtpraxis tätig. Nach der Elternzeit arbeitet sie nun in einer Kleintierpraxis in der Nähe von München. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder, eine Katze und einen Hund.

Gast

Hierbei handelt es sich um einen Gastartikel. Informationen über den jeweiligen Autor / die jeweilige Autorin entnehmen Sie bitte dem Text.

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