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Das Studium der Tiermedizin: praktische Erfahrungen Fehlanzeige?

Das Studium Der Tiermedizin: Praktische Erfahrungen Fehlanzeige?

Gedanken einer Tiermedizin-Studierenden.

Zwar gibt es Module im Studium der Veterinärmedizin, die zum Erlernen praktischer Fähigkeiten dienen sollen (zum Beispiel die Propädeutik), dennoch wird seitens der Universität immer wieder die Verantwortung von sich geschoben und das praktische Lernen auf extramurale Praktika verlagert. Dozenten predigen den Studierenden, dass sie für ihre praktische Ausbildung selbst verantwortlich sind. Doch damit macht es sich die Universität in meinen Augen zu leicht.

 Praktische Ausbildung in Eigenverantwortung

Insgesamt 20 Wochen kuratives Praktikum schreibt die TAppV den Studierenden vor. Davon können 8 als Wahlpraktikum ersetzt werden, zum Beispiel in der Forschung oder der Industrie. Wo diese Praktika absolviert werden und wie sie gestaltet werden, wird den Studierenden selbst überlassen. In Berlin wird lediglich ein Lernzielkatalog an die Hand gegeben, eine Liste von Fähigkeiten die im Praktikum erlernt oder wenigstens erklärt werden sollen. Eine Evaluation solcher Praktika findet jedoch nicht statt, niemand stellt sicher, dass alle Studierende den Katalog auch abgearbeitet haben. Ein Problem ist, dass nicht jeder in seinem Praktikum dazu überhaupt erst die Möglichkeit bekommt: Viele Vetis berichten, dass sie im Praktikum fast nichts selbst machen durften (außer natürlich Putzen). In einem solchen Fall ist man auf sich allein gestellt – das Praktikum einfach abbrechen? Und dann?  

Schnittstelle zwischen Tierärzt*in und Praktikant*in: Die Universität

In einem solchen Fall wäre es wichtig, dass es an den Veterinärmedizinischen Fakultäten eine Anlaufstelle für Studierende gibt, an die sie sich bei Problemen rund um das Praktikum wenden können. Eine solche Stelle könnte gemeinsam mit den Studierenden eine Lösung erarbeiten, eine neue Praktikumsstelle vermitteln oder in Konfliktfällen zwischen der Praxis und dem*r Praktikant*in vermitteln. Außerdem hätten so auch Tierärzt*innen die Möglichkeit, sich bei Problemen mit Praktikant*innen an die Universität zu wenden.

Bisher sind beide Seiten sich selbst überlassen. Auf Portalen wie Facebook werden dann in Uni-Gruppen Berichte und Empfehlungen veröffentlicht und geteilt. In Foren für Tierärzt*innen lese ich auch wieder und wieder Beschwerden über „schlecht vorbereitete“ Praktikant*innen.

Frustration bei Praktikant*in und Tierarzt*ärztin

Die mangelnde Evaluation und Kontrolle der extramuralen Praktika führt dazu, dass jede*r Praktikant*in (und auch jede*r Absolvent*in) mit einem unterschiedlichen Kenntnis- und Fähigkeitenstand seine Stelle antritt. Die Tierärzt*innen wissen nicht, was sie von Praktikant*innen und Berufseinsteiger*innen erwarten können, während diese unter hohem Leistungsdruck stehen und Angst haben, zu versagen. Das führt zu Frustration auf beiden Seiten – kein optimaler Einstieg ins Berufsleben. Zwar haben Universitäten mit ihren Lernzielkatalogen bereits eine Liste der sogenannten „First Day Competences“ erstellt, ob jede*r Absolvent*in diese jedoch auch in den Berufsstart mitbringt, ist eine andere Frage.

VetStage hilft euch gern bei einem angenehmen Start ins Berufsleben: Mit einem anonymen Profil im VetStage Karriereplaner findest du im Handumdrehen deine Stelle. Du teilst uns deine Interessen mit und wir schlagen dir passende Angebote vor.  Hier kannst du dein kostenfreies Profil anlegen. 🙂

Praktische Ausbildung muss im Stundenplan integriert werden

Bis auf wenige Veranstaltungen, wie zum Beispiel der Propädeutik und der klinischen Demo, wo teilweise praktisch gearbeitet wird, bleibt die Praxis an der Uni auf der Strecke. Erst im fünften Studienjahr, dem „Praktischen Jahr“ laufen die Studierenden für einige Wochen in den Uni-Kliniken mit – je nach Tierärztlicher Fakultät entweder mit Tierarten-Schwerpunkt oder als Rotation durch alle Kliniken. Vielen ist das zu wenig und so versuchen sie sich in Nebenjobs schon frühzeitig selbst um ihre praktische Ausbildung zu kümmern. Die Arbeitszeiten lassen sich zumeist jedoch schlecht mit dem Uni-Alltag vereinbaren (zum Beispiel Nachtdienste), außerdem geht die Bezahlung häufig nicht über den Mindestlohn hinaus. 

 

Umstrukturierung des Studiums nötig  

Es bleibt unverständlich, wieso in Deutschland die praktische Ausbildung der Tiermedizin-Studierenden so rückständig bleibt. Andere Länder machen es vor und zeigen mit ihren Studienmodellen, dass es sehr wohl möglich ist, die praktische Ausbildung im Studium zu integrieren. So arbeiten zum Beispiel in Holland Ausbildungspraxen (die es ja auch in Deutschland gibt) eng mit der Universität zusammen und in England werden von Beginn an praktische Episoden im Studienplan integriert.  Auch in Deutschland sollte endlich eine Umstrukturierung erfolgen, um die praktische Ausbildung zu optimieren und den Studierenden auch ein gewisses Maß an unternehmerischen Denken beizubringen. 

 

Tiermedizin – Ein Theorie-Studium?

Natürlich besteht das Studium der Tiermedizin zu großen Teilen aus Theorie – und das ist auch gut so. An der Universität müssen die theoretischen Grundlagen für die Praxis gelegt werden. Dennoch ist ein ebenso wichtiger Teil des Studiums eine praktische Ausbildung. Und hier sollten sich die Universitäten endlich ihrer Verantwortung bewusst werden!

 

Lisa Rogoll

Nachdem mich das Berufsbild „Tierärztin“ in verschiedenen Praktika überzeugt und begeistert hatte, begann ich 2015 in Berlin das Studium der Tiermedizin. Besonders die Vielseitigkeit der Tiermedizin fasziniert mich noch heute, sodass ich mir keinen „Plan B“ vorstellen kann.

Neben den alltäglichen Sorgen des Studiums lebe ich meine kreative Energie bei VetStage aus. Hier betreue ich unseren Social Media Auftritt, schreibe Magazin-Beiträge und unterstütze unser Team auf Kongressen.

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