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Tierärzte im Ausland: Arterhaltung bedrohter Berg- und Grauer Gorillas in Afrika

Tierärzte Im Ausland: Arterhaltung Bedrohter Berg- Und Grauer Gorillas In Afrika

Tiermedizin einmal anders

Raus aus der Uni, rein ins Flugzeug! So habe ich die Woche nach Abschluss meines Tiermedizinstudiums an der Freien Universität Berlin empfunden. Nur das Nötigste im Reiserucksack ging es für mich als frisch gebackene Tierärztin kurz nach unserer Abschlussfeier zum Flughafen und von dort zu meiner ersten Tätigkeit als Veterinärmedizinerin. Mein Einsatzbereich: die Arterhaltung der bedrohten Berg- und Flachlandgorillas in Afrika.

Schon während meines Studiums war mir klar, dass meine Interessen außerhalb der kurativen Praxis und vielmehr in den Bereichen One Health/Ecosystem Health, Infektionskrankheiten und Wildtiergesundheit liegen. Einige Praktika, Workshops, Kurse und Konferenzen später habe ich mich also als freiwillige Tierärztin bei Gorilla Doctors in Ruanda beworben und wurde angenommen!
Wer bei Gorilla Doctors eine solche Stelle antritt, sollte nicht davon ausgehen mit den sanften Riesen im direkten Kontakt zu arbeiten. Solche Aufgaben werden von den Feldtierärzten der drei Länder, in denen Gorilla Doctors aktiv ist, ausgeführt: Ruanda, Kongo und Uganda. Stattdessen wird man vorwiegend im Hauptquartier in Ruanda eingesetzt, kann sich dort in Projekte einbringen und viel über den einzigartigen Ansatz der Arterhaltung im Sinne des One Health Gedankens lernen.

Manchmal kommt allerdings auch alles anders als man denkt, so wie in meinem Fall.

 

Gorillatrekking und –monitoring im afrikanischen Regenwald
Gorillabericht_JM2Durch eine Reihe glücklicher Zufälle bot sich die einzigartige Gelegenheit kurze Zeit nach meiner Ankunft in Ruanda in die Demokratische Republik Kongo einzureisen und dort mit dem regionalen Tierarzt im Feld zusammen zu arbeiten. Gemeinsam mit einem Team aus Trackern und Rangern des Nationalparks Kahuzi Biega marschierten wir durch kongolesischen Regenwald, entkamen angriffslustigen Ameisenstraßen, überquerten Flussläufe und bahnten uns mit Macheten den Weg durch das Dickicht, immer den Spuren der Gorillagruppe folgend. Jeden Tag aufs Neue waren diese Wanderungen eine große, jedoch faszinierende Herausforderung, die immer wieder einen ganz besonderen Höhepunkt hatte: die Beobachtung der vom Aussterben bedrohten Gorillas in ihrer natürlichen Umgebung.
Das Gefühl den Primaten so nah sein und von ihnen geduldet zu werden, war unbeschreiblich. Den geforderten Abstand von 7 Metern soweit irgend möglich wahrend, beobachteten wir jedes einzelne Tier der Gruppe, um einen guten Eindruck vom Gesundheitsstatus aller Tiere zu erhalten. Fress- und Sozialverhalten, Pflege und Versorgung der Jungtiere, sowie Auffälligkeiten wie zum Beispiel Wunden wurden notiert. Die verspielten Jungtiere waren häufig so neugierig, dass es schwierig war Abstand zu halten, weil sie Kameras, Jacken, Rucksäcke und uns selbst extrem interessant fanden und gerne näher erkunden wollten. Obwohl Jungtiere und weibliche Gorillas aus nächster Nähe schon eine erstaunliche Größe haben, waren die Silberrücken natürlich besonders beeindruckend und auch nach mehreren Wochen Gorillatrekking im Kongo und später in Uganda wurden die Begegnungen mit den Primaten nicht weniger atemberaubend.

 

Den Berggorillas ganz nah
Gorillabericht_JM1In Virunga in der DR Kongo, dem Nationalpark mit der größten Biodiversität Afrikas liegt das Senkwekwe Centre, die einzige Auffangstation für Berggorillas weltweit. Momentan befinden sich dort 4 Gorillawaisen in der Obhut von Pflegern, die die Jungtiere 24 Stunden am Tag betreuen. Alle vier sind Opfer von Wilderei oder der politischen Instabilität vor Ort. Gorillamütter und andere Familienmitglieder werden umgebracht um Jungtiere für große Summen illegal zu verkaufen und durch die große internationale Aufmerksamkeit, die den bedrohten Menschenaffen geschenkt wird, sind sie außerdem häufig Opfer von politischen und rebellischen Machtkämpfen geworden.
Jedes Jahr werden die Gorillawaisen im Senkwekwe Centre einmal anästhesiert und ihr Gesundheitszustand genau überprüft. Zufälligerweise hatte ich das Glück auch hier zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Im Team mit dem Feldtierarzt Dr. Eddy und der regionalen Managerin und Tierärztin Dr. Jan Ramer haben wir Lymphknoten abgetastet, Herz und Atmung kontrolliert, Blut und andere Proben genommen, auf Tuberkulose getestet und vieles mehr. Ohne Frage hat der Herzschlag der Gorillas an meinem Stethoskop trotz der hochkonzentrierten Arbeit bei mir für Gänsehaut gesorgt.
Diese Tage im Senkwekwe Centre, die ich gemeinsam mit so beeindruckenden Tierärzten wie Dr. Eddy und Dr. Jan verbringen durfte, waren definitiv nicht nur einer der unzähligen Höhepunkte meiner Arbeit in Afrika, sondern sicherlich auch meiner bisherigen tiermedizinischen Laufbahn.

 

Eine einmalige Erfahrung
Gorillabericht_JM3Nicht nur für meinen Werdegang als Tierärztin war meine Zeit bei Gorilla Doctors eine Erfahrung von unschätzbarem Wert, welche mich auf den Gebieten der Veterinärmedizin, die mich besonders faszinieren einen großen Schritt weitergebracht hat. Auch als Mensch und Teil des Ökosystems Erde hat mir dieses Projekt so manches Mal die Augen geöffnet und mein Bewusstsein für das wichtige Thema des Gleichgewichts zwischen Mensch, Tier und Umwelt noch weiter gestärkt – eine rundum einmalige und wertvolle Erfahrung!

 

Wir danken Tierärztin Jessica Magenwirth herzlich für das Teilen dieser einmaligen Erfahrung!

Dr. Lisa Leiner

Frau Dr. Lisa Leiner ist Tierärztin und Geschäftsführerin der Job- und Karriereplattform VetStage. Ihr Hauptaugenmerk liegt in der Personalakquise im Namen von Kolleginnen und Kollegen. Diskretion und gegenseitige Wertschätzung sowie Respekt stehen hierbei als Werte ganz oben.

Als Autorin des Buches "Stress- und Zeitmanagement für Tierärzte" schreibt sie zudem für das VetStage Magazin Artikel zu Themen wie Selbstmanagement, Kommunikation, Führungsqualitäten und Teamführung.

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