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Was wünscht sich ein Tierarzt von seinen Praktikanten?

Was Wünscht Sich Ein Tierarzt Von Seinen Praktikanten?

Im vorigen Beitrag haben drei Tiermedizin- Studentinnen, aus unterschiedlichen Semestern, von ihren bisherigen Praktikumserfahrungen gesprochen. Sie haben Vorschläge gebracht was man zum Besseren verändern könnte, so dass sich das Praktikum letztendlich sowohl für den Ausbilder, als auch den Praktikanten lohnt und es keine bloße Zeitverschwendung ist. Solltest du den spannenden Erfahrungsbericht verpasst haben, kannst du das hier jederzeit nachholen.

© Mario Beck

Im heutigen Artikel wendet sich das Blatt und wir blicken aus der Chefperspektive auf die Praktikantenausbildung.

Diesbezüglich habe ich ein Interview mit Tierarzt Mario Beck geführt. Er ist mittlerweile über einige Stationen in der Pferdemedizin im Nutztierbereich gelandet.

Hier leitet er mit viel Herzblut eine eigene Rinderpraxis im Allgäu und nimmt gerne regelmäßig Praktikanten unter seine Fittiche. Bei seinen eigenen Praktika während seiner Studienzeit hat er nicht immer nur gute Erfahrungen gemacht und  hat daraus Lehren für sein eigenes Handeln und den Umgang mit seinen Praktikanten gezogen.

Wie er nun also seine Praktika gestaltet und welches Fazit eine ehemalige Praktikantin von ihm zieht, erfährst du im folgenden Artikel.

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Was erwartest du von einem Praktikanten?

Das sind vier essenzielle Punkte: Ich wünsche mir zum einen, dass mein Praktikant leidenschaftlich bei der Sache ist und sich aktiv in die Arbeit mit einbringen möchte. Ich möchte keinen Praktikanten, der lustlos in der Ecke oder besser noch im Weg steht, das macht auch keinen guten Eindruck auf meine Kundschaft.

Zum anderen wünsche ich mir Teamfähigkeit. In der Ausbildung muss man zusammenarbeiten können und auf Anweisungen hören. Später sieht das als Rindertierarzt vielleicht anders aus, jedoch erwarte ich, dass die Praktikanten die Behandlungen mit mir im Team durchführen.

Man lernt im Leben nie aus und so ist es eben auch in der Tiermedizin. Von einem Praktikanten wünsche ich mir, so wie ich es auch von mir selbst erwarte, dass er sich fachlich und persönlich weiterentwickeln möchte, denn nur so kann man wachsen und beste Leistung bringen.

Als letzten wichtigen Punkt verlange ich den nötigen Respekt vor der Arbeit der Landwirte und vor meiner eigenen. Abfällige Bemerkungen haben im Praktikum rein gar nichts verloren, vor allem dann nicht, wenn man keine Ahnung von der Materie hat.

Was dürfen die Praktikanten bei dir selbst machen?

Die Frage sollte wohl eher lauten, was ich die Praktikanten nicht machen lasse. Grundsätzlich gilt, dass der Student alles machen darf, das ich auch mache. Natürlich erfolgt alles unter meiner genauen Anweisung und ich kläre bestimmte Grundregeln in einem Gespräch vorab.

Ich möchte erreichen, dass sich die Praktikanten die nötigen Ersttagskompetenzen aneignen können. Die lernt man nicht nur durch das bloße Zuschauen, sondern durch die Arbeit am Tier. Es ist wichtig, einen guten Draht zu der Kundschaft zu haben, aber es gab bisher kaum Leute, die partout nicht wollten, dass ein Praktikant unter meiner Aufsicht ihr Tier behandelt. Die Voraussetzung dafür ist ein respektvoller Umgang miteinander, ohne Form von Überheblichkeiten beiderseits.

Was verstehst du unter einem erfolgreichen Praktikum?

© M. Beck mit Praktikantin Lisa

Ich habe meiner letzten Praktikantin Lisa den Auftrag gegeben, einen Zettel zu nehmen und auf diesem ihre Wünsche und Hoffnungen für ihr anstehendes Praktikum zu schreiben. Diesen sollte sie in einen verschlossenen Briefumschlag legen und zum Praktikum mitbringen.

Am Ende des Praktikums haben wir diesen gemeinsam geöffnet und ein Fazit gezogen. Wir haben Lisas Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen. Genau das verstehe ich unter einer gelungenen Ausbildung junger Menschen.

Innerhalb von 2 Wochen haben wir es geschafft, dass sich Lisa sogar zugetraut hätte, einzelne Besuche allein zu machen. Ich schüre keine Angst vor dem Beruf, sondern ich bereite die Studenten darauf vor.

Siehst du Praktikanten als zukünftige Arbeitnehmer?

Es kann sicherlich vorkommen, dass aus einem Praktikanten mal ein Angestellter wird, aber das ist für mich nicht der Hauptgrund, weshalb ich Praktikanten nehme. Ich denke, dass wir Praxisinhaber zu viel über die First day skills der Anfangsassistenten schimpfen, ohne etwas dagegen zu unternehmen.

Ich habe mich der Ausbildung von Praktikanten verschrieben, weil es auch positive Beispiele geben sollte, wie ein Praktikum ablaufen kann.  Mir liegen all die negativen Beispiele so im Magen, dass ich mich der Herausforderung gern stelle und den Kollegen die Stirn biete, die den Praktikanten als unnützen Ballast sehen.

Ich bin der Meinung, dass diejenigen, die eigentlich keine Motivation für Praktikanten aufbringen, auch besser keine nehmen sollten. Damit wäre beiden Seiten wirklich mehr als geholfen.

Was ist dein Appell an Tierarztkollegen?

Wir haben einen Mangel an Tierärzten in verschiedenen Bereichen, obwohl wir jedes Jahr Unmengen davon ausbilden. Es ist offensichtlich nötig, die Arbeitsbedingungen attraktiver zu gestalten, wenn wir nicht auf dem Trockenen sitzen wollen.

Ich hoffe sehr darauf, dass es noch genügend Praktiker gibt, die Motivation haben, jungen Menschen einen Platz zum Lernen zu geben.

Es braucht natürlich immer wieder Geduld und Einfühlungsvermögen, rentiert sich aber für beide Seiten. Der Beruf des Tierarztes ist immer noch einer der Begehrtesten, die es gibt und das zurecht! Es ist eine innerliche Genugtuung zu sehen, wie aus einem anfänglich unsicheren Praktikanten ein fast vollwertiger Kollege entspringt.

Wir Praktiker sollten uns dieser Aufgabe mit etwas mehr Elan und Verantwortungsbewusstsein stellen. Dann steigt auch die Ersttagskompetenz und es sinkt der Frust von beiden Seiten.

Zum Schluss bist du gefragt, lieber Leser. Was ist denn deine Meinung dazu? Hast du ähnliche Erwartungen an einen Praktikanten oder siehst du das komplett anders? Falls du Student bist, erzähle doch mal in den Kommentaren was du bei bisherigen Praktika so erlebt hast.

VetStage hilft dir nicht nur bei der Suche nach einem Praktikumsplatz, sondern es gibt noch ein weiteres großartiges Tool für dich. Hier findest du eine Karte mit allen BpT- Ausbildungspraxen, die sich über deine Initiativbewerbung freuen würden. Also am besten gleich loslegen, und fleißig in die Tasten hauen, dann steht deinem nächsten spannenden Praktikum nichts mehr im Wege.

 

Über die Autorin Daniela Diepold:

Ich bin auf einem landwirtschaftlichem Betrieb groß geworden und stehe deswegen schon seit meiner frühesten Kindheit mit Tieren in Kontakt. Ich habe nach dem Abitur zuerst ein Bachelorstudium im Fach Umweltingenieurwesen an der TU München abgeschlossen, bevor ich mir letztendlich eingestanden habe, dass Tiermedizin das einzig Wahre für mich ist.  Somit habe ich mich beworben und studiere mittlerweile im 5. Semester Veterinärmedizin.

Wenn du mehr von mir lesen willst, kannst du gerne auf meinem Tiermedizin- Blog wuidegoas.com vorbeischauen. Ich schreibe über mein Studium und führe Interviews mit Tierärzten aus diversen Fachbereichen. 

 

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