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Pausen-Kultur in Tierarztpraxen und Kliniken

Pausen-Kultur In Tierarztpraxen Und Kliniken

Der tierärztliche Beruf ist typisch für seine meist fehlenden Pausenzeiten. Manche Kolleginnen und Kollegen sind froh, wenn sie es tagsüber schaffen, wenigstens etwas zu trinken. So voll ist der Wartebereich oder Terminkalender häufig. Dass dies auf Dauer nicht gesund ist, ist vermutlich jedem klar.

Andere Praxen bevorzugen sehr lange Mittagspausen. 1-2 Stunden sind hier die Regel und für so manch Angestellte/n eine eher langweilige Prozedur.

Wie macht man es aber richtig?

Es gibt tatsächlich Untersuchungen, wie Pausen am effektivsten gestaltet werden können. Hierzu müssen jedoch ein paar Grundregeln befolgt werden:

  1. Etwas Anderes denken: Unser Gehirn kann nicht verstehen, dass es sich um eine Pause handelt, wenn man sich mit quasi denselben Dingen beschäftigt wie während der Arbeit. Das ist besonders typisch für Büroarbeiten und soll daran auch verdeutlicht werden:
    Wer den ganzen Tag am Computer hängt und sich dann vor dem Fernseher entspannen möchte, gibt dem Gehirn keine Möglichkeit, eine Pause als Pause zu erkennen. Hierzu müsste das „Schauen auf den Bildschirm“ abgestellt werden. In die Tiermedizin ist das übertragbar mit dem Beschäftigen von Krankheiten. Wer hier neben dem Mittagessen noch in Fachzeitschriften liest, um zu schauen, was er für den gerade behandelten Fall noch tun kann, der macht keine Pause.
  2. Etwas Anderes sehen: Ändern Sie die Räumlichkeiten! Wer in der Klinik- oder Praxisküche Pause macht, wo stetiger Verkehr herrscht und man weiterhin voll im „Alltag“ integriert ist, macht keine effektive Pause.
    Besser: Gehen Sie raus oder – wenn möglich – gestalten Sie einen Pausenraum, der andere Farben, andere Bücher, andere Sitze als im Rest der Praxis/Klinik enthält. Hier soll man die Möglichkeit erhalten, sich auch mit anderen Dingen beschäftigen zu können, die NICHTS mit dem Praxis-/Klinikalltag zu tun haben. Keine Fortbildungszeitschriften, keine VetImpulse, kein Deutsches Tierärzteblatt. 😉 (s. Punkt 1)
  3. Etwas Anderes fühlen: Wenn Sie viel sitzen, stehen oder gehen Sie. Wenn Sie viel stehen oder gehen müssen, dann setzen oder legen Sie sich hin. Auch die Körperhaltung muss gegensätzlich zu dem sein, was normalerweise Ihre Arbeit ausmacht. Vielleicht ist in dem neu gewonnenen Pausenraum ja eine Liege? Oder ein gemütliches Sofa?…

 

Für eine gute Pause ist dies das Minimalprogramm.
Was gibt es aber noch?

Praktisch für die Tiermedizin: Richten Sie sich mehrere Pausen ein, statt ein oder zwei große! Es konnte festgestellt werden, dass Menschen in Arbeit mit z.B. 3x15Minuten-Pausen überaus effektiver arbeiten können, statt mit z.B. einer großen Mittagspause. Natürlich reichen 15 Minuten nicht immer zum Essen, aber man benötigt auch keine zwei Stunden zum Regenerieren. Im Übrigen gelten Zeiten unter 15min gesetzlich nicht als Pause, sondern als Unterbrechung der Arbeit und wird weiterhin dem Arbeitszeitkonto gut geschrieben!

Versuchen Sie somit mal das Folgende:

In Ihren Terminplan werden die 15Minuten-Pausen fest eingetragen und dann auch eingehalten! Dafür reduziert sich die Mittagspause auf 30Minuten (für Kliniken oder Rund-um-die-Uhr-Praxen). Sie werden sehen, dass dieses Vorgehen insgesamt zur Konzentrationsfähigkeit und Motivation Ihres Teams beitragen kann.

 

Weitere Tipps:
In den 15 Minuten Pause dürfen Sie sich in jedem Falle einen „Powernap“ gönnen. Können Sie nicht? Da sind Sie nicht der/die Einzige. Aber! Es lässt sich lernen! Stellen Sie sich den Wecker auf 10Minuten später, laden Sie sich eine App aufs Smartphone, die Klänge spielt, die Ihrem Geschmack entsprechen oder hören Sie ein Hörbuch. Legen Sie sich hierfür in die Horizontale. Am besten immer am gleichen Platz. Sie werden feststellen, dass Sie Ihren Körper irgendwann auf diese 10-15 Minuten Ruhe so konditioniert haben, dass Sie schon müde werden, wenn Sie nur einen Schritt in Richtung Liege/ Sofa/ Rückbank Ihres Autos machen… Es klingt irgendwie esoterisch, beruht aber auf einer schlichten klassischen Konditionierung. Probieren Sie es aus.

Sie haben keine Lust zu schlafen? Dann versuchen Sie es doch mit Malen oder Kreuzworträtsel, mit Musik oder dem fröhlichen Nichts-Tun. Es ist leider noch immer sehr unüblich, Pausen wirklich als Pausen zu nutzen. Der Leistungstrieb bringt uns dazu, die Pausen auch immer möglichst produktiv nutzen zu wollen. Aber es ist inzwischen erwiesen:

Wer eine gute Pausenkultur hat, der bleibt länger motiviert und produktiv. Dies ist auch der Grund, warum der Gesetzgeber Pausenzeiten geregelt hat. Sie dienen dem Schutz des Arbeitnehmers! – Und seien wir mal ehrlich: Wenn wir keine Pausen machen, wie können wir von uns erwarten, dass wir gute Tiermedizin machen können? Irgendwann hört das Denken nun mal auf! Wenn nicht jetzt, dann später. Und irgendwann folgt der BurnOut. Wollen wir da hin? Ich glaube nicht…

 

In diesem Sinne: Pause machen!

Dr. Lisa Leiner

Frau Dr. Lisa Leiner ist Tierärztin und Geschäftsführerin der Job- und Karriereplattform VetStage. Ihr Hauptaugenmerk liegt in der Personalakquise im Namen von Kolleginnen und Kollegen. Diskretion und gegenseitige Wertschätzung sowie Respekt stehen hierbei als Werte ganz oben.

Als Autorin des Buches "Stress- und Zeitmanagement für Tierärzte" schreibt sie zudem für das VetStage Magazin Artikel zu Themen wie Selbstmanagement, Kommunikation, Führungsqualitäten und Teamführung.

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