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Tierärzte im Beruf – Tierärztin für Naturheilverfahren

Tierärzte Im Beruf – Tierärztin Für Naturheilverfahren

Dr. Heidi Kübler ist seit 1985 Tierärztin. Im Jahr 1988 eröffnete sie eine Praxis – anfangs als Gemischtpraxis mit ambulanter Schlachttier- und Fleischuntersuchung, später als reine Kleintierpraxis und absolvierte eine Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Biologische Tiermedizin. 2015 verkaufte sie ihre Praxis und verlagerte den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Heute arbeitet sie noch in Teilzeit in der Praxis, gibt ihr naturheilkundliches Wissen u.a. auf diversen Kongressen an Tierärzte und TFA’s weiter und engagiert sich in der Berufspolitik.
Wir freuen uns, dass Frau Dr. Heidi Kübler für dieses Interview zur Verfügung steht.

 

Aus welchem Grund haben Sie sich entschieden, in Ihrer jetzigen Berufssparte zu arbeiten?

Antwort Frau Dr. Kübler: Tja…. Das ist die Begeisterung, über den Tellerrand zu schauen und meine Neugier, über das Schulmedizinische hinaus zu gehen. In einem ersten Schnupperpraktikum nach dem zweiten Studiensemester lernte ich die Homöopathie bei einem Großtierpraktiker kennen. Und der hat mich wohl „infiziert“. Im Laufe der Jahre in selbständiger Praxis haben die Patienten und ihre Besitzer mich in dieser Hinsicht immer wieder herausgefordert, Neues dazu zu lernen.

Ich komme aus einer Landwirtsfamilie und der Berufswunsch Tierärztin stand für mich bereits in der ersten Schulklasse fest. Es folgten Studium, Praktika, Promotion und gleich anschließend Niederlassung in eigener Praxis. Von Anfang an hatte ich immer wieder Patienten, bei denen das an der Universität gelernte Vorgehen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht funktionierte. Bei Katzen scheiterte es oft einfach daran, dass die Besitzer die Medikamente nicht in die Katze reinbrachten. Die Homöopathie hatte ich ja schon etwas kennengelernt im ersten Praktikum, einige Komplexmittel und Phytotherapeutika ebenso. Also setzte ich das mehr und mehr in der eigenen Praxis ein. Da es vor 30 Jahren erst wenige regulationsmedizinische Fortbildungen gab, ging das eben mit „learning by doing“. Es funktionierte ja auch, sprach sich bei den Tierhaltern herum und die Praxis wurde weiterempfohlen. 8 Jahre nach Praxiseröffnung erwarb ich die Zusatzbezeichnung Biologische Tiermedizin, denn ich wollte ja auch theoretisch fit sein und so ein bevorstehendes Fachgespräch motiviert durchaus zum Lernen. Wobei ich betonen möchte, dass ich die sog. Schulmedizin nie verlassen habe, Basis jeglichen therapeutischen Vorgehens ist eine ausführliche klinische Untersuchung. Ich selbst sehe mich als Ganzheitsmediziner, der seine Patienten und ihre Menschen individuell betreut mit der für den jeweiligen Fall besten Therapie.

 

Welche Einstellungsvoraussetzungen gelten für Ihre Berufssparte?

Antwort Frau Dr. Kübler: Um in einer Praxis zu arbeiten, die einen naturheilkundlichen/regulationsmedizinischen Schwerpunkt hat, muss man bereit sein, sich über das an der Universität Gelernte hinaus auf Neues einzulassen, noch viel dazu lernen zu wollen und  auch mal die „normalen“ Pfade zu verlassen. Dabei halte ich es für sehr wichtig, dass man sich seiner Stärken bewusst wird, manches ausprobiert, um dann möglicherweise festzustellen, dass einem das nicht liegt und es wieder sein zu lassen. So finde ich die chinesische Medizin mit ihrem Denken faszinierend, habe aber kein großes Talent im Umgang mit Akupunkturnadeln. Dafür arbeite ich sehr gerne mit Bach-Blüten und Schüßler-Salzen. Nur was man gerne macht, kann man zur Perfektion entwickeln. Aus dem einen wird dann mit der Zeit ein begnadeter Chirurg, aus dem anderen ein genialer Akupunkteur, der dritte wendet sich mit großem Erfolg der Homöopathie zu. Begleitend zur Arbeit in der Praxis besteht dann die Möglichkeit eine Zusatzbezeichnung zu erwerben – momentan ist dies in Akupunktur, Biologischer Tiermedizin, Homöopathie und Manuellen Therapieverfahren möglich – abhängig von der Weiterbildungsordnung des Bundeslandes, in dem man arbeitet.

Warnen möchte ich allerdings davor, den Ehrgeiz zu haben, von Anfang an alles naturheilkundlich behandeln zu wollen. Den Hautpatienten, den schon drei Tierärzte nicht richtig in den Griff bekommen haben, den wird ein Anfänger in der Regulationsmedizin sicher nicht mit ein paar Globuli heilen. Erfahrung sammelt man am besten mit den täglich vorkommenden Routinefällen wie beispielsweise Erkältungen, Magen-Darm-Störungen, Prellungen und Zerrungen.

Sehr positiv sehe ich, dass man in Fortbildungen erlernte regulationsmedizinische Therapien sehr schnell in den Praxisalltag integrieren kann, ohne gleich größere Investitionen tätigen zu müssen.

 

Welche besonderen persönlichen Eigenschaften muss man für dieses Tätigkeitsfeld mitbringen?

Antwort Frau Dr. Kübler: Ich denke man sollte vor allem Neugier, Flexibilität im Denken, Begeisterungsfähigkeit und – wie schon gesagt – die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen und das bisher Gelernte zu hinterfragen, mitbringen. Die besondere Herausforderung besteht darin herauszufinden, wo die eigenen Talente liegen, um sich dann in dieser speziellen Sparte erfolgreich weiterentwickeln zu können, denn die Regulationsmedizin ist so vielfältig, dass keiner mehr alles beherrschen kann.

 

Was umfasst Ihr Tätigkeitsfeld?

Antwort Frau Dr. Kübler: Da muss ich etwas differenzieren: Als immer noch zeitweise in der Praxis arbeitende Tierärztin nehme ich jeden Tag Anamnesen auf, führe ganz normale klinische Untersuchungen durch wie man es im Studium gelernt hat, stelle meine Diagnosen oder manchmal auch nur Verdachtsdiagnosen, die dann durch weitergehende Untersuchungen verifiziert werden. Und erst dann kommt die Therapie, die bei mir durch meinen langjährigen Erfahrungsschatz natürlich häufig eine naturheilkundliche ist. Auch wenn Tiere schon mehrfach voruntersucht und vorbehandelt sind und Tierhalter doch „nur“ regulationsmedizinische Therapie von mir möchten, mache ich mir immer durch eine klinische Untersuchung ein eigenes Bild des Patienten.

Nach oder auch vor der klinischen Untersuchungen kommen in der regulationsmedizinischen Praxis weitere spezielle Untersuchungstechniken zum Einsatz. So nimmt der Homöopathie eine klassische homöopathische Anamnese auf, der Akupunkteur führt noch einen Untersuchungsgang nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin durch.

In meinem „zweiten“ tierärztlichen Leben nach Verkauf der Praxis – VetServices – Dienstleistungen für Tierärzte und Tierhalter – bin ich viel in ganz Deutschland unterwegs, um mein Wissen und meine Erfahrungen an Kollegen weiterzugeben, Tierhalter zu beraten (und die bezahlen auch gerne dafür) und in der Berufs- und Standespolitik im Ehrenamt Lobbyarbeit für die Naturheilverfahren/Regulationsmedizin zu betreiben.

 

Wie sehen Sie Ihre Tätigkeit in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Antwort Frau Dr. Kübler: Für mich als Praxisinhaberin mit Angestellten war es nie ein Problem, Beruf und Familie zu vereinbaren, zumal ich meinen Beruf liebe und einen Partner an meiner Seite habe, der mich unterstützt. Zur Not musste mein Sohn halt auch mal mit in die Praxis, als er noch klein war. Mit einem Kind ging das immer gut, mit mehreren wird das sicher schwieriger.

 

Würden Sie Ihr Betätigungsfeld so erneut wählen, wenn Sie nochmals von vorne beginnen könnten?

Antwort Frau Dr. Kübler: Auf jeden Fall!

 

Gibt es noch etwas, was Sie zusätzlich erzählen möchten, was nicht explizit gefragt wurde?

Antwort Frau Dr. Kübler: Ja. Ich bedaure sehr, dass viele Tierärzte es immer noch verpassen, auf die sich entwickelnden Bedürfnisse ihrer Patientenbesitzer adäquat einzugehen. Oft kommen Tierhalter zu mir, die sich darüber beklagen, dass ihre Haustierarztpraxis sie nicht auf naturheilkundliche Therapiemöglichkeiten hingewiesen und zu einem Spezialisten überwiesen hat, oder noch schlimmer, dass die Haustierarztpraxis Regulationsmedizin ablehnt oder sich gar darüber lustig macht. Solche Patientenbesitzer suchen dann andere Therapeuten – und das sind leider oft keine Tierärzte!

Schul- und Regulationsmediziner könnten viel enger zusammenarbeiten zum Wohl der vierbeinigen Patienten und zur Zufriedenheit ihrer Halter. Einen Kreuzbandriss, der operiert werden muss, überweise ich ja auch direkt zum Chirurgen. Leider erlebe ich es bisher nur selten, dass der dann zur naturheilkundlichen Nachbehandlung wieder zurücküberwiesen wird…. Jede Therapieform hat ihre Möglichkeiten und Grenzen. Auch die Naturheilkunde/Regulationsmedizin! Das erfordert ein differenziertes Denken, aber auch die Flexibilität, mal „andersrum“ zu denken.

Außerdem sehe ich im Bereich Naturheilverfahren/Regulationsmedizin noch ein enormes Potenzial, denn die Nachfrage nach regulationsmedizinisch gut ausgebildeten Tierärzten übersteigt derzeit bei weitem das Angebot.

 

Wir danken Frau Dr. Kübler herzlich für den Einblick in ihre Berufssparte.
Wer sich für die ganzheitliche Tiermedizin interessiert, darf sich auf der Homepage der GGTM erkundigen.
Da Frau Dr. Kübler inzwischen nicht mehr in eigener Praxis tätig ist, sind Praktika leider nicht möglich.

 

Tipps zum Weiterlesen:
Akupunktur in der Tierarztpraxis

 

Dr. Lisa Leiner

Frau Dr. Lisa Leiner ist Tierärztin und Geschäftsführerin der Job- und Karriereplattform VetStage. Als Autorin des Buches "Stress- und Zeitmanagement für Tierärzte" schreibt sie regelmäßig auch für das VetStage Magazin Artikel zu den Themen Selbstmanagement, Kommunikation, Führungsqualitäten und Teamführung.

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