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Doktorarbeit – Mehr Fluch als Segen?!

Doktorarbeit – Mehr Fluch Als Segen?!

Martin nahm nach seinem Veterinärmedizinstudium eine Doktorarbeit in einem humanmedizinischen Bereich einer Uni an. Er hatte sich vorher erkundigt, dass  die Dissertation vom Thema nicht zu sehr von der Veterinärmedizin abweicht.
Doch ein dreiviertel Jahr später erfuhr er dann auf eimal durch die Promotionskommission, dass seine Arbeit nicht anerkannt werden würde, sofern er nicht eine zusätzliche Untersuchung innerhalb der Tiermedizin anhängt Zu diesem Zeitpunkt hatte er mit dem Schreiben seiner Dissertation bereits begonnen…

Anita nahm bereits während Ihres Studiums eine Dissertation in einer Fakultät ihrer Uni an. Das kostete sie viel zusätzliche Zeit, weil sie die Untersuchungen parallel zu den Vorlesungen und den Vorbereitungen für die Prüfungen durchführen musste. Mit den Untersuchungen kam sie allerdings relativ gut voran, so dass sie kurz nach Beendigung des Studiums mit dem Schreiben Ihrer Arbeit beginnen konnte. Dies ist jetzt zwei Jahre her. Davon liegt die Arbeit seit knapp 1,5 Jahren in der Korrektur. Verbessert sie Anmerkungen, so werden genau diese wieder angemerkt. Eine nervliche und zeitliche Belastungsprobe….

Tobi entschied sich nach dem Studium dazu, eine Dissertation neben seiner Vollzeittätigkeit zu schreiben. Da die Arbeit in seiner Praxis „en block“ erfolgt, hat er fast immer zwei volle Tage pro Woche frei, die er für seine Dissertation nutzen könnte. Nachdem er eine externe Dissertation in einer Klinik gefunden hat,  erwähnt sein Doktorvater dass er sich auf die max. zwei Tage pro Woche einlasse, Tobi sich aber darauf einstellen müsse, die Arbeit auf Grund seiner zeitlichen Einschränkung nicht in einem Jahr fertig stellen zu können,  doch für Tobi ist dies klar und kein Problem…
Nach ca. einem halben Jahr fingen dann jedoch die Probleme an:
-> Warum er nicht regelmäßig an den Laborbesprechungen teilnehmen würde?
-> Warum die Durchführung der Mikroskopie so viel Zeit in Anspruch nehmen würde?
-> Wo denn die Ergebnisse bleiben würden? etc. …
Dass man sich im Vornherein allerdings auf ein- bis maximal zwei Tage pro Woche für die Arbeit an der Dissertation geeinigt hatte, zählte auf einmal nicht mehr…

Miriam wollte eine klinische Dissertation schreiben. Da sie bereits in der Kleintierklinik der Uni als studentische Hilfskraft tätig war, lag es nahe, dort auch ihre Dissertation zu schreiben. Dies war jedoch nur unter der Bedingung der Mithilfe in der Klinik möglich.
Am Ende arbeitete sie mehr in der Klinik, als an ihrer eigentlichen Dissertation.
Der Kommentar Ihres Doktorvaters war kurz und knapp: „Wenn Sie den ganzen Tag in der Klinik arbeiten, haben Sie doch noch den Abend und die Nacht für Ihre Arbeit…“

Fazit

Die Zustände, unter denen die meisten Doktoranden in der Veterinärmedizin ihre Arbeit schreiben sind niederschmetternd. Doktoranden sind billige Arbeitskräfte, denn in der Regel gibt es keinen Lohnausgleich, sie liefern Daten, die häufig für große Konzerne oder für den guten Namen des Doktorvaters herhalten. Und die Betreuung lässt heutzutage bedauerlicherweise extrem zu wünschen übrig. Ob dies aus fehlender Wertschätzung geschieht oder aus Zeitmangel sei dahingestellt.

Wer sich die skizzierten Erfahrungen ersparen möchte, sollte sich im Vornherein gut erkundigen und versuchen Erfahrungswerte über entsprechende Doktorväter / Doktormütter zu finden. In der Regel sind bezahlte Doktorarbeiten besser planbar und weniger frustierend. Bezahlte Arbeiten findet man vor allem in größeren Konzernen, Pharmafirmen oder auch in wissenschaftlichen Instituten.

Wenn Du in einer überschaubaren Zeit keine passende Doktorarbeit findest,  solltest Du Dir überlegen ob der Titel für Deine beruflichen Karriere tatsächlich notwendig ist (wie z.B. in der Industrie, Amt, etc.)… Wenn ja, dann solltest Du auf jeden Fall weitersuchen, denn es gibt für jeden Doktoranden auch das richtige Thema zu akzeptablen Bedingungen. Es kann halt ein wenig dauern bis Du genau dieses Thema / diese Arbeit gefunden hast…
Ist der Titel nur ein nettes Anhängsel und nicht wirklich notwendig, so solltest Du die Zeit sinnvoller nutzen und Dich auf Deine Karriere ohne „Dr. – Titel“ konzentrieren.

Dein VetStage – Team

Bildnachweis: Foto by Olga Meier-Sander / www.pixelio.de

Dr. Lisa Leiner

Frau Dr. Lisa Leiner ist Tierärztin und Geschäftsführerin der Job- und Karriereplattform VetStage. Ihr Hauptaugenmerk liegt in der Personalakquise im Namen von Kolleginnen und Kollegen. Diskretion und gegenseitige Wertschätzung sowie Respekt stehen hierbei als Werte ganz oben.

Als Autorin des Buches "Stress- und Zeitmanagement für Tierärzte" schreibt sie zudem für das VetStage Magazin Artikel zu Themen wie Selbstmanagement, Kommunikation, Führungsqualitäten und Teamführung.

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