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Nutztierarztpraxis im Jahr 2030 – Der Deutsche Tierärztetag blickt in die Zukunft

Nutztierarztpraxis Im Jahr 2030 – Der Deutsche Tierärztetag Blickt In Die Zukunft

Gastbeitrag, erschienen im bpt-„Mitteilungsblatt des ganzen Nordens“, Ausgabe 4/2018.

Was erwartet uns in Zukunft? Dieser Frage hat sich der Arbeitskreis II des Deutschen Tierärztetages im März 2018 in Dresden angenommen.

Die Vielfalt der heutigen Nutztierarztpraxis ist kaum einheitlich zu beschreiben und dennoch wurde im Arbeitskreis eine gemeinsame Position für die Zukunft erarbeitet. Als Einstieg hat der Kollege Helmut Surborg einen Blick zurück auf über 30 Jahre Nutztierarztpraxis vorgetragen. Reich bebildert und mit selbstkritischer Betrachtung von Fehlentwicklungen in Praxis und Überwachung der Nutztierpraxis.

Für die Tierarten haben Michael Schmaußer (Rinder), Hermann Block (Geflügel) und Torsten Pabst (Schweine) einen Ausblick in die Zukunft gewagt. Auf der Grundlage einer Befragung von spezialisierten Kolleginnen und Kollegen wurden die verschiedenen Erwartungen zusammengetragen. Mögliche Veränderungen der Zusammenarbeit zwischen Veterinärverwaltung und Nutztierpraxis hat Christoph Brundiers (VetAmt) für die Zukunft entworfen und damit auch den Bereich der amtlichen Aufgaben in der Praxis beleuchtet.

 

In gemeinsamer Diskussion wurde ein Positionspapier entworfen, in dem, ausgehend von den wesentlichen Faktoren für die Veränderung der Nutztierarztpraxis, zukünftige Strukturen entworfen wurden. Die Tierärztliche Bestandsbetreuung wird demnach die zentrale Bedeutung in der Nutztierarztpraxis weiter ausbauen und Tiergesundheit, Arzneimittelsicherheit, Produktivität, Tierschutz und Umweltauswirkungen von Arzneimittelanwendungen gleichermaßen berücksichtigen. Sie wird im Rahmen der betrieblichen Eigenkontrolle eingebunden sein, die von Seiten der abnehmenden Wirtschaft sowie von Seiten der Überwachung vorausgesetzt wird.

Das universitäre Tierärztliche Studium wird auch in Zukunft auf der Grundlage der klinischen Ausbildung basieren und die Bestandsbetreuung in enger Anlehnung an die Praxis vermitteln. Die Tierärztliche Approbation wird weiterhin ungeteilt sein, wobei Vertiefungsschwerpunkte, die während des Studiums geleistet wurden, Eingang im Abschlusszeugnis finden könnten.

Die Tierärztliche Praxis wird zunehmend in größeren Einheiten organisiert sein, in denen die Arbeitsbelastung gleichmäßiger verteilt wird und der Austausch untereinander intensiviert wird. Es werden voraussichtlich weniger inhabergeführte Praxen und mehr Personengesellschaften oder andere Gesellschaftsformen die Praxislandschaft gestalten. Damit wird die flächendeckende Versorgung mit Tierärztinnen und Tierärzten zurück gehen und die jederzeitige ärztliche Versorgung der Tiere muss aktiv gestaltet werden, um sie weiterhin zu gewährleisten.

Die Entwicklungen der Telemedizin und der digitalen Unterstützung der Tierhaltung sind kaum absehbar und sie werden als hilfreiches Instrument in der Tierärztlichen Praxis Eingang finden. Andererseits müssen Online-Diagnostik-Portale und automatische Diagnostikhilfen für Tierhalterinnen und Tierhalter intensiv überwacht werden, um tierschutzrelevante Laienbehandlung oder gar Seuchenverschleppungen zu verhindern.

 

Das Positionspapier schließt mit einem Forderungskatalog ab, der die Entwicklung der Nutztierarztpraxis für die Zukunft steuern soll:

Neben der Förderung der Bestandsbetreuung in Ausbildung und Praxis wird die Einführung staatlicher Monitoringprogramme zur Tiergesundheit und zum Tierschutz gefordert. Diese sollen Eingang in eine Tiergesundheitsdatenbank finden, mit der die bisherigen Dokumentationspflichten ersetzt werden. Die Nutztierarztpraxis muss mit einer Mindeststundenzahl in den Tierärztlichen Universitäten verankert werden, die dafür die nötige Finanzierung erwarten können. Die Chancen der Digitalisierung sind zum Vorteil der Tiergesundheit zu nutzen und gleichzeitig das damit verbundene Missbrauchspotential frühzeitig einzugrenzen.

 

Das Positionspapier ist auf der Homepage der Bundestierärztekammer einsehbar, zusammen mit weiteren Unterlagen  zum Tierärztetag 2018: https://www.bundestieraerztekammer.de/btk/tieraerztetag/

 


Autor: Dr. Matthias Link (Foto privat)

 

 

 

Gast

Hierbei handelt es sich um einen Gastartikel. Informationen über den jeweiligen Autor / die jeweilige Autorin entnehmen Sie bitte dem Text.

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