Das Brachyale Obstruktive Syndrom (BOS) des Hundes

erstellt am 14. März 2024

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Fachbeitrag
Ein Beitrag von  Jessica Delfs,: Oberärztin Chirurgie der Tierklinik Hofheim, Zusatzbezeichnung HNO beim Kleintier,  Tierklinik Hofheim auf VetStage
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„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

Schon Loriot wusste vom einzigartigen und einnehmenden Wesen des Mopses zu schwärmen. Viele der kurzköpfigen Rassen wie z.B. Mops, französische Bulldogge, englische Bulldogge oder Boston Terrier, um nur einige zu nennen, haben ein auffallend liebenswertes Wesen. Hinzu kommt, dass die Proportionen des Kopfes und der Augen bei den brachycephalen Hunden dem Schlüsselreiz des Kindchenschemas entsprechen und damit bei den meisten Menschen ein besonderes Fürsorgeverhalten auslösen.

Entsprechend erfreuen sich die brachycephalen Rassen seit Jahrzehnten einer ungebrochenen und aktuell sogar eher zunehmenden Beliebtheit.

Leider geht die zuchtbedingte Verkürzung des Gesichtsschädels auch mit erheblichen Problemen für die Hunde einher. Der obere Atemtrakt der Patienten ist durch die Deformation des Kopfes dermaßen verändert, dass es bei den meisten Hunden früher oder später zu erheblichen Atemnotproblemen kommt.

*siehe Bild/Text1 unten


Symptome

Die Symptome, die auftreten können, werden unter dem Sammelbegriff „brachycephales obstruktives Syndrom“ (BOS) zusammengefasst.
Im Einzelnen zählen dazu:

  • lautes Schnarchen im Schlaf oder Wachzustand
  • der Hund scheint ständig „ verschleimt“ oder „erkältet“ zu sein
  • Kurzatmigkeit
  • blaue Zunge
  • Belastungsintoleranz
  • Auftreten von Würgen oder Erbrechen während oder nach der Belastung
  • Kollaps
  •  schnelle Überhitzung insbesondere im Sommer durch ungenügende Thermoregulation
  • nächtliche Schlafstörungen ähnlich der Schlafapnoe des Menschen und dadurch ständige Müdigkeit am Tag
  • akuter Erstickungstod

Das BOS ist eine dynamische, progressive Erkrankung, so dass die Symptome häufig erst im jungen Erwachsenenalter auffällig und im Verlauf der Erkrankung zunehmend schwerwiegender werden. Leider können ernste Probleme wie die nächtlichen Schlafstörungen, die einem permanenten Schlafentzug gleichkommen, auch lange Zeit unbemerkt bleiben. Andere Symptome, wie etwa das Schnarchgeräusch, werden oft als rassetypisch und unproblematisch abgetan und nicht als tatsächliches Atemproblem erkannt.


Typische anatomische Veränderungen beim BOS

Die anatomischen Grundlagen des BOS werden im Vergleich zum „normalgesichtigen“ Hund offensichtlich und lassen sich entlang des gesamten oberen Atemtrakts nachweisen. ƒ

  • Bereits der Eingang der Nase ist häufig durch zu voluminöse und unflexible Nasenflügel zu eng. Der darauf folgende Nasenvorhof ist durch eine überproportional große Nasenfalte stark in seiner Größe reduziert.
  • Die für die Riechfunktion und Thermoregulation der Nase verantwortlichen Nasenmuscheln sind durch die Verkürzung der Nasenhöhle missgebildet. Sie sind unverhältnismäßig groß und engstehend, so dass der Luftdurchfluss weiterhin stark behindert wird. Damit können sie ihre Aufgaben nur ungenügend erfüllen.
  • Der Rachenraum ist ebenfalls relativ zu eng gestaltet.
  • Das Gaumensegel ist häufig zu lang und zu wulstig. Dadurch kommt es zu einer Verlegung des Kehlkopfes und dem typischen Schnarchgeräusch bei der Atmung. Ein erhöhter Atemaufwand ist notwendig, um eine ausreichende Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten.
  • Der Zungengrund erschei

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Jessica Delfs,: Oberärztin Chirurgie der Tierklinik Hofheim, Zusatzbezeichnung HNO beim Kleintier

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