Reisekrankheiten: Tierhalter*innen jetzt aufklären!

erstellt am 11. Juni 2024

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Fachbeitrag
Ein Beitrag von  Rex Operations GmbH
,  Rex auf VetStage
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Die Urlaubssaison naht und viele Hundehalter*innen möchten die freie Zeit an schönen Orten gemeinsam mit ihrem Vierbeiner verbringen. Nicht allen ist bewusst, welche Risiken Hunde im jeweiligen Reiseland ausgeliefert sind. Zudem haben sich die Ausbreitungsgrenzen für einige der Überträger solcher Erkrankungen infolge klimatischer Veränderungen verschoben.

Bedeutende Reisekrankheiten im Überblick

In Europa sind vor allem folgende, vektorenübertragene Erkrankungen (Vector-Borne Diseases, VBDs) von besonderer Bedeutung:

  • Babesiose
  • Leishmaniose
  • Dirofilariose

Generell gilt: Der beste Schutz besteht darin, Hunde nicht auf Reisen in Endemiegebiete mitzunehmen. Gegebenenfalls lassen sich Hundebesitzer*innen im Gespräch zu der Überlegung motivieren, ihr Tier für die Dauer des Urlaubs bei einer vertrauten Person am Heimatort oder in einer Hundepension unterzubringen. Nicht zuletzt können Tiere dadurch auch der massiven Hitze, die inzwischen nahezu jedes Jahr im Mittelmeerraum auftritt, entgehen.

Besteht diese Möglichkeit nicht, gilt es, entsprechende Prophylaxe-Maßnahmen zu ergreifen.


Babesiose

Erreger der von Laien mitunter als „Hundemalaria“ bezeichneten Erkrankung, ist Babesia spp. In Europa ist vor allem Babesia canis canis aufgrund des meist schweren klinischen Verlaufs sehr bedeutend, Überträger ist die Wiesenzecke Dermacentor reticulatus. Der Vektor ist in Süd-, Zentral-, und Osteuropa verbreitet. Eine Studie der TiHo Hannover zeigte jüngst, dass die Verbreitung der Zecke in Deutschland deutlich zugenommen hat. In manchen ostdeutschen Bundesländern ist sie inzwischen sogar häufiger vertreten als der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Wissenswert ist zudem, dass D. reticulatus selbst im Winter bei Temperaturen bis 4 °C noch aktiv sein kann – ein ganzjähriger Schutz kann daher auch hierzulande erwogen werden.

Daneben sind B. gibsoni (Vektoren: Heamaphysalis spp. und D. reticulatus), mit ebenfalls mittel- bis schwergradigen Krankheitsverläufen sowie B. canis vogeli (Vektor: Braune Hundezecke, Rhipicephalus sanguineus) wichtige Babesiose-Erreger. Zecken übertragen die einzelligen Parasiten übrigens frühestens 24 Stunden nach dem Anheften am Tier.

Babesiose: Klinik

Je nach Babesien-Art können perakute, subklinische, akute oder auch chronische Krankheitsverläufe vorkommen.

Zu den akuten Symptomen zählen:

  • Fieber (>42°C)
  • Inappetenz
  • Konditions- und Gewichtsverlust
  • Blutungen an Haut- und Schleimhäuten, Epistaxis, Hämaturie, Bilirubinämie
  • Blutiger Durchfall (hämorrhagische Enteritis)
  • Ikterus
  • Ödeme
  • Aszites
  • Ggf. ZNS-Symptome, z. B. Krampfanfälle
  • Nierenversagen

Bei chronischem Verlauf der Babesiose sind die Beschwerden in der Regel milder und zeigen sich durch eher unspezifische Symptome wie Abmagerung und Schwäche, betroffene Hunde sind meist anämisch, ein Ikterus ist weniger deutlich zu sehen.

Diagnostik

Reiseanamnese und Klinik geben Hinweise auf die Erkrankung. Zur genauen Diagnose eignen sich folgende Untersuchungen:

  • Mikroskopische Untersuchung von Kapillarblut (z. B. aus der Ohrmuschel), Giemsa-Färbung oder Diff-Quick)
  • Serologische Untersuchung: Antikörper sind frühestens zwei Wochen nach der vermuteten Infektion (bzw. Aufenthalt im Endemiegebiet) zu erwarten, Impfantikörper erlauben keine Aussage über eine Infektion
  • PCR: Ermöglicht Erregernachweis und Identifizierung der Babesienspezies, aber: Falsch-positive Befunde sind möglich!

Therapie

Zur Behandlung einer akuten Babesiose durch B. canis kommt Imidocarb-Propionat infrage (5 bis 6 mg/kg i.m. oder s.c.; Wiederholung nach zwei Wochen), zur Therapie von B. gibsoni gelten Doxycyclin, Phenamidinisothionat oder Pentamidin als geeignet. Zusätzlich können entsprechend dem individuellen Beschwerdebild weitere Behandlungsmaßnahmen erforderlich sein.

Prophylaxe

Das Risiko einer Babesiose lässt sich durch einen adäquaten Zeckenschutz senken. Unter Umständen kann auch eine Chemoprophylaxe (Imidocarb-Dipropionat vor Einreise in Endemiegebiet) und/oder eine Babesien-Impfung infrage kommen. Bei der Chemoprophylaxe ist es wichtig, Risiko und Nutzen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Eine Impfung gegen Babesia canis-Infektionen ist aktuell nicht in Deutschland, jedoch in manchen EU-Ländern zugelassen. Sie kann eine Infektion zwar nicht sicher verhindern, aber den Krankheitsverlauf mildern.


Leishmaniose

Der Erreger der europäischen Leishmaniose beim Hund (Leishmania infantum) wird von Sandmücken übertragen. Endemiegebiet ist der gesamte Mittelmeerraum. Allerdings sind inzwischen auch in Mitteleuropa vereinzelt autochthone Leishmaniose-Fälle beschrieben.

Symptome können vielfältig sein

Das klinische Bild der Leishmaniose beim Hund kann stark variieren, auch asymptomatische Verläufe sind möglich.

Zu den typischen Symptomen der Erkrankung zählen:

  • Kutane Läsionen an dünn behaarten Stellen (Nasenspiegel, Ohrmuschel, Bauch)
  • Vergrößerte Lymphknoten
  • Inappetenz, Gewichtsverlust
  • Schwäche
  • Schuppige Haut (Hyperkeratose), Haarausfall, Hautulzerationen und andere, i.d.R. nicht juckende Hautveränderungen, Onychogrypose
  • Erkrankungen zahlreicher Organsysteme, wie Immunkomplex-Glomerulonephritis, Splenomegalie, Hepatomegalie, Pankreatitis, Meningitis, Uveitis, Blepharitis, Konjunktivitis, Polyarthritis,
  • Blutungen (Nasenbluten, Hämaturie)
  • Laborveränderungen (Thrombozytopenie, Hyperglobulinämie und weitere)

Diagnostik

Treffen vorberichtliche Aufenthalte in Endemiegebieten mit klinischen Hinweisen zusammen, können folgende Untersuchungen zur Diagnose eingesetzt werden:

  • Serologischer Nachweis von Antikörpern (frühestens 6 bis 8 Wochen nach vermuteter Infektion, mitunter aber auch erst nach Jahren)
  • Mikroskopischer Nachweis der Erreger in Makrophagen aus Lymphknoten- oder Knochenmarkbiopsien
  • PCR von Knochenmarkpunktaten oder Hautproben betroffener Stellen

Therapie

Es ist wichtig, Patientenbesitzer*innen mitzuteilen, dass es in der Regel nicht gelingt, den Erreger vollständig aus dem Körper zu eliminieren – d. h. betroffene Hunde beherbergen Leishmanien lebenslang. Greift die Therapie, können P

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