"Paul" Teil 2 – Kardiale Neoplasien

erstellt am 9. Juni 2022

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Fallbeispiel
Ein Beitrag von  Dr. Stefanie Bruhn
TÄ Nadine Bresemann,  Tierklinik Rostock auf VetStage
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Paul, ein 8-jähriger Französische Bulldoggen-Mischling, der aufgrund von hochgradigem rezidivierenden Aszites vorgestellt wurde, wurde mit Perikarderguss mit Tamponade des rechten Vorhofes diagnostiziert und eine Notfalltherapie mittels Perikardiozentese wurde eingeleitet. Im ersten Teil des Fallberichtes kannst du die Details noch einmal nachlesen.

Die ursächliche Therapie eines Perikardergusses gestaltet sich nicht immer einfach. In 48% der Fälle von Perikardergüssen ist eine Neoplasie ätiologisch zuzuordnen. Auch bei Paul ließ sich echoakardiografisch eine 2 x 2 cm große Umfangsvermehrung feststellen. (siehe Bild 1 - 2)

 

Kardiale Neoplasien

Beim Hund ist der häufigste Herztumor das Hämangiosarkom. Ein Herzbasistumor kann sich in Form eines Chemodektoms oder Schilddrüsentumors manifestieren. Weniger häufig treten beim Hund Lymphome, Mesotheliome, Rhabdomyosarkome und Fibrosarkome auf. Bei Katzen tritt mit Abstand am häufigsten das Lymphom auf. Hämangiosarkome, Chemodektome und Metastasen von Adenokarzinome können auftreten, sind aber seltener. (siehe Bild 3) 

Hämangiosarkom

Das Hämangiosarkom als häufigster Herztumor des Hundes ist eine maligne, von den Gefäßendothelien ausgehende mesenchymale Neoplasie. Durchschnittlich erkranken Hunde im Alter von neun bis zwölf Jahren und Deutsche Schäferhunde, Golden und Labrador Retriever sind prädisponiert. Bisher ist keine Geschlechtsprädisposition bekannt. Hauptsächlich finden sich Hämangiosarkome in der Milz, gefolgt vom rechten Atrium und Herzohr, dann der Haut und dem subkutanen Gewebe. Die Prognose ist ungünstig und beträgt ohne Therapie wenige Tage bis Wochen, da zum Zeitpunkt der Diagnosestellung der Tumor bereits meist schon Metastasen gebildet hat. Eine Perikardfenestration bzw. Perikardektomie kann Erleichterung verschaffen. Eine chirurgische Tumorentfernung bringt einen durchschnittlichen Zeitgewinn von 42 Tagen, bei der Kombination mit einer Chemotherapie ergibt sich eine mittlere Überlebenszeit von 175 Tagen. (siehe Bild 4 - 9) 

Der Begriff Herzbasistumor fasst neuroendokrine Tumoren der Chemorezeptoren an der Aortenbasis (Glomus aorticum) oder im Bereich der A. carotis (Glomus caroticum) zusammen, die über das autonome Nervensystem respiratorische und kardiale Funktionen beeinflussen können. Es besteht eine Rasseprädisposition bei Brachyzephalen, Golden und Labrador Retriever. Die Größe der Tumoren kann stark variieren. Die Metastasierung findet vornehmlich in der Lunge statt, wobei Metastasen in Milz, Leber und Knochen auch vorkommen. Durch das langsame Wachstum bleiben die betroffenen Tiere häufig symptomfrei, bis dann Herzbeutelergüsse und Arrhythmien auftreten. Die Diagnosesicherung sowie die Dignitätsbeurteilung erweisen sich als schwierig. Eine chirurgische Entfernung ist aufgrund der Invasion der Aortenwand meist unmöglich, außer bei kleineren abgegrenzten Tumoren. Eine partielle Perikardektomie kann die mittlere Überlebenszeit signifikant von 42 auf 730 Tage verlängern, auch wenn (noch) kein Perikarderguss vorliegt.

Das maligne Lymphom ist eine systemische Krebserkrank

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Dr. Stefanie Bruhn
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