Odin oder wenn das Herz seinem eigenen Rhythmus folgt

erstellt am 13. April 2022

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Fallbeispiel
Ein Beitrag von  Nicole Rofael
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Odin ist ein junger Havaneser-Rüde, der gerade seinen ersten Geburtstag gefeiert hat. Er entdeckt das Leben und nichts hält ihn auf, mit seinen Freunden die Welt unsicher zu machen. Bei einer Routineuntersuchung ist ein recht langsamer Herzschlag aufgefallen. Dies kam sehr überraschend, da Odin topfit ist. Auch bei Aufregung ändert sich die Herzfrequenz nicht merklich.

Eine Herzultraschalluntersuchung inklusive Elektrokardiogramm wurde angesetzt, um dies genauer abzuklären. Die Echokardiographie ergab eine geringgradige Insuffizienz an der Aortenklappe, sonst keine morphologischen Auffälligkeiten. Das EKG gab da schon eher einen Aufschluss. P-Wellen ohne folgende QRS-Komplexe, QRS-Komplexe etwas breiter als gewöhnlich zeigten sich in regelmäßigen Abständen, aber völlig unabhängig der P-Wellen. Nun hatten wir die Ursache des langsamen Herzschlags: AV-Block high grade Grad II bzw. Grad III.

Dies ist eine bradykarde Herzrhythmusstörung, bei der es zu einer Störung der elektrischen Erregungsweiterleitung kommt. Die Überleitung vom Sinusknoten auf den AV-Knoten oder die Leitung vom AV-Knoten auf die Ventrikel funktioniert nicht.

Bevor wir dies näher erläutern, ein kleiner Exkurs zur physiologischen Erregungsleitung des Herzens. Der große Taktgeber ist der Sinusknoten, dieser befindet sich in Höhe des rechten Vorhofs. Er gibt die elektrischen Impulse vor, welche zum Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) geleitet werden. Es folgen His’Bündel (ziemlich in der Mitte zwischen linkem und rechtem Ventrikel liegend) und die Purkinje-Fasern, welche in der Kammermuskulatur verlaufen, sowie die septomarginalen Trabekel, die quer durch die Herzkammern laufen. Je weiter entfernt vom Sinusknoten bzw. AV-Knoten eine große Erregung entsteht, so bizarrer sieht der Komplex (QRS) im EKG aus. Daher kann ein ungefährer Rückschluss gezogen werden, wo am Herz die Erregung entsteht.

Im EKG stellt die P-Welle die Erregung des Vorhofs dar, also entsprechend die Taktvorgabe durch den Sinusknoten. Die nachfolgende Erregung ist der sogenannte QRS-Komplex, welche die Kammererregung darlegt.

Die Ursachen dieser Erregungsleitungsblockierungen sind sehr heterogen. Meist sind eher ältere Tiere betroffen mit degenerativen Veränderungen oder strukturellen Schädigungen an dem AV-Knoten. Auch ein erhöhter Tonus des Parasympathikus kann dies auslösen. Der AV-Block Grad III kommt auch idiopathisch vor. Weitere Auslöser für einen AV-Block können Erkrankungen des Respirationstraktes darstellen, beispielsweise chronische Bronchitiden, Trachealkollaps oder eine Lungenfibrose. Des Weiteren können endokrine Störungen ursächlich sein, v.a. ein Hypoadrenokortizismus (M.Addison) oder eine Hypothyreose. Auch Medikamente können diese Form der Rhythmusstörung bedingen, zum Beispiel ß-Blocker, Digitalis-Präparate oder auch Anästhetika wie Medetomidin oder Xylazin. Herzerkrankungen wie Aortenstenose, Ventrikel-Sep

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Nicole Rofael
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