Ursachenforschung bei Otitis externa - ein Fallbericht

erstellt am 7. Juni 2022

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Fallbeispiel
Ein Beitrag von  Dr. Nina Glos - FTÄ für Dermatologie und Dipl. ECVD ,  Kleintierzentrum Germering auf VetStage
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Woher kommt diese Otitis externa bloß? - Ursachenforschung 

Eine Otitis externa ist beim Hund meist leicht zu diagnostizieren – viel schwieriger ist es, sie in den Griff zu bekommen! 5 Jahre – so lange dauerte es, bis die Ursache für die wiederkehrende Otitis bei dem mittlerweile 6 Jahre alten Mischling Janosch gefunden wurde. Die Krankengeschichte begann bereits, als er 6 Monate alt war.

 

Der zugrundeliegenden Ursache auf der Spur

Der Otitis externa liegt häufig eine Kombination aus vielerlei möglichen Ursachen zugrunde. Die Aufarbeitung eines solchen Falles sollte deshalb immer systematisch erfolgen.

Wird ein Hund mit akuter oder chronischer Otitis in der Praxis vorgestellt, muss zunächst die klinische Vorgeschichte (Rasse, Alter, Juckreiz, Saisonalität) ermittelt werden. Vor der eigentlichen dermatologischen Untersuchung ist eine eingehende allgemeine Untersuchung durchzuführen. Wichtig ist, sich nicht nur auf die Ohren zu fokussieren. Erst dann kann eine vorläufige Liste möglicher Ursachen erstellt werden.

Es kann zwischen ursächlichen (primären), prädisponierenden und erhaltenden (perpetuierenden) Faktoren unterschieden werden.

 

Prädisponierende Faktoren

Prädisponierende Faktoren erhöhen das individuelle Risiko einer Otitis externa, verursachen aber alleine keine Infektion. 

Dazu gehören rassebedingte Faktoren (Haare im Gehörgang, enge Gehörgänge, vermehrt Schweißdrüsen), vermehrte Feuchtigkeit (Schwimmen, Tauchen), ein feuchtwarmes Klima und iatrogene Einflüsse (Reinigung mit Wattestäbchen). 

Primärursachen

Zu den Ursachen, die eine Entzündung direkt auslösen, zählen Allergien, Fremdkörper, Parasiten, Keratinisierungsstörungen, Tumoren, Autoimmunerkrankungen oder Viren.

Perpetuierende Faktoren

Perpetuierenden Faktoren (z.B. Erreger, Hyperplasie/Hyperkeratose, Otitis media, verändertes Trommelfell) unterhalten die Otitis externa, auch wenn die Primärerkrankung bereits abgeheilt oder kontrolliert ist bzw. sie verschlimmern eine bereits bestehende Otitis externa. Zusätzlich behindern sie die Heilung.

 

Ist die Otitis einseitig oder beidseitig, akut oder chronisch?

Um mögliche Differenzialdiagnosen eingrenzen zu können, sollte diese Frage gestellt werden. Denn eine akute unilaterale Otitis lenkt den Verdacht in Richtung eines Fremdkörpers im Ohr, während eine chronische beidseitige Otitis eher auf andere Ätiologien hindeutet.

Eine vollständige klinische Untersuchung, gefolgt von einer speziellen dermatologischen Untersuchung kann, wie im Fall von Janosch, die Verdachtsdiagnose einer chronischen bilateralen Otitis externa ermöglichen. 

Dermatologisch wurden bei Janosch folgende Befunde erhoben: Die hochgradige, beidseitige Otitis externa war mit sehr viel Cerumenbildung verbunden. Die Pinnae waren gerötet, geschwollen und lichenifiziert und es traten weitere Effloreszenzen wie Papeln und seröse Krusten auf. (siehe Bild 2 + 3) 

Nicht nur die Ohren machten Janosch zu schaffen - er hatte zusätzlich Blähungen und regelmäßig verstopfte Analdrüsen. 

Folgende Differenzialdiagnosen kommen bei einer chronischen, beidseitigen Otitis externa in Betracht:

  1. Infektiös (Bakterien, Hefen, Parasiten)
  2. Allergie (Futtermittel, Umwelt, Kontakt)
  3. Hormonelle Erkrankung (M. Cushing, Hypothyreose)
  4. Anatomie (Haare, Stenose etc.)
  5. Autoimmun (PF, Lupus, BP, EBA)
  6. Andere (z.B. primäre sekretorische Otitis media)

 

Wie wahrscheinlich sind die Differenzialdiagnosen basierend auf dem klinischen Bild?

Der Gehörgang reagiert, unabhängig vom Auslöser, auf die entzündlichen Prozesse mit einem Erythem. Die Lichenifikation und Schwellung des äußeren Gehörganges sind Folgen eines langanhaltenden Entzündungsprozesses. Papeln im Gehörgang weisen auf eine bakterielle Genese. 

Eine chronische Otitis externa führt zu einer Hypertrophie der apokrinen Drüsen und dadurch zu einer gesteigerten Cerumenproduktion mit reduziertem Lipidgehalt - der Feuchtigkeitsgehalt steigt, die Haut weicht auf und wird folglich empfindlicher (Harvey et al., 2003). 

Magen-Darm-Probleme können ein Hinweis auf eine Futtermittelallergie sein - häufig eine Primärursache bei Otitiden. 

 

Welche Tests können bei der speziellen dermatologischen Untersuchung hilfreich sein?

Zytologie

Bei jedem Patienten sollte eine Tupferprobe aus den betroffenen Ohren für eine zytologische Untersuchung zur Bestimmung des Bakterientyps (Kokken oder Stäbchen) sowie zum Ausschluss von Hefen genommen werden. Die meiste Aussagekraft haben Proben, die aus dem horiz

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Dr. Nina Glos - FTÄ für Dermatologie und Dipl. ECVD

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